Internationale Frühjahrsbuchwoche München
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Pressestimmen (Auswahl) zur 11. Internationalen Frühjahrsbuchwoche 2000,
"Weltstädte – Stadtwelten"

 
 

Fremde Welten, die Literaturen anderer Länder nämlich, sind in den vergangenen Jahren bei der Münchner Frühjahrsbuchwoche zu Gast gewesen. Dieses Mal geht es um die fremden Welten vor der eigenen Haustür, hier zu Lande und anderswo.... Es dürfte spannend werden für die Eingeborenen, wenn Zugereiste wie Nik Cohn aus New York, Ping-kwan Leung aus Hongkong, Elias Khoury aus Beirut, Yvonne Vera aus Harare oder Robert McLiam Wilson aus Belfast ihnen die Reize des Viktualienmarkts erschließen.

Stuttgarter Zeitung, 4. März 2000



Städtevergleiche sind in den letzten Jahren zu einem Dauerthema und zum gesellschaftlichen Lieblingssport geworden. Da die Welt jedoch nicht nur als Berlin/Hamburg/München besteht, weitet die 11. Internationale Frühjahrsbuchwoche den Blick über den nationalen Tellerrand aus. Unter dem Thema "Weltstädte – Stadtwelten" präsentieren über zwanzig Autoren ihre literarischen Stadtbilder, laden zu imaginären Rundgängen durch Hongkong, New York, London, Moskau und andere Metropolen dieser Welt. Auf Podiumsdiskussionen wird die Zukunft der Stadt in einer immer stärker vernetzten Welt erörtert und der Mythos zwischen Hexenkessel und Schmelztiegel hinterfragt.

Abendzeitung, 14. März 2000



München liegt dieser Tage vor uns wie ein aufgeschlagenes Buch, das man nicht nur lesen, sondern auch begehen kann, um es sich mit fremdem Blick ganz neu anzueignen. Selten war es so spannend, in dieser Stadt – die ja von sich behauptet, nach New York die größte Verlagsstadt, im Grunde aber ein Dorf zu sein — in dieser merkwürdigen Stadt also den Flaneur zu spielen und dabei ein wenig Weltläufigkeit zu ergattern. Denn allerorten gilt: "Obacht, Literatur!"

Bayerischer Rundfunk, Kultur aktuell, 15. März 2000



Geistertrompete, Donnergrollen, das Licht wird schummrig, doch weil das Podium leer bleibt, plaudern die 400 Gäste weiter zu Heiner Goebbels sphärischen Klängen. Reifenquietschen, Trommeln, der Rhythmus wird schneller, das Geschnatter lauter – die Geräuschkulisse im kargen Literaturhaus-Saal macht gleich schon mal klar, wer die Protagonistin der hiermit eröffneten Frühjahrsbuchwoche ist: die Stadt.

Süddeutsche Zeitung, 16. März 2000



"Weltstädte – Stadtwelten" – fast zwei Wochen lang feiert die diesjährige Buchwoche die Großstadt als Laboratorium der Moderne.

Münchner Merkur, 16. März 2000



München feuchtet. Es ist Frühjahrsbuchwoche, die Stadt hat Dichter und Denker der Welt geladen, sie reden über Städte und wie sie sich der Kunst einprägen: Wie dichtet es sich in Rio, Sao Paulo und London? Die Stadt München hält sich als Gastgeberin zurück, nur an einem Abend, da muß es einfach sein, da macht sich die bayerische Metropole selbst zum Thema – letzte Chance für einen Machtkampf: Die heimliche Hauptstadt tritt gegen die rechtmäßige an, München oder Berlin, welcher Ort eignet sich besser zum Schreiben, das sollte in den letzten Märztagen diskutiert werden.

Der Spiegel, 17. April 2000



Dem kleinen Moritz ist egal, daß die Frau mit der lauten Stimme neben ihm in der U-Bahn berühmt ist. Nein, sagt der Fünfjährige, eine Doris Dörrie kenne er nicht, und kaut weiter an seiner Brezn. Andere kennen sie natürlich und sind extra zu ihrer Lesung im Rahmen der 11. Internationalen Frühjahrsbuchwoche in den Münchner Untergrund gekommen. Ohne Netz und doppelten Boden, also ohne Mikrophon, liest Dörrie über Zuglärm und Durchsagen hinweg. Die Leute mögens.

Die Tageszeitung/taz, 22. März 2000



Ein gewaltiges Programm mit Lesungen, Podiumsgesprächen und Diskussionen wurde auf die Beine gestellt, dazu literarische Schmankerl in großer Zahl ... Worüber Universitätsprofessoren kluge Abhandlungen schreiben und eifrige Studenten ihre Seminararbeiten ... zu Papier bringen, hier wird die Großstadt als Topos der Literatur live zum Ereignis.

Südostbayerische Rundschau, 22. März 2000



... Bogdan Bogdanovic, Architekturphilosoph und zeitweise Oberbürgermeister von Belgrad, ist eine wichtige Stimme bei der elften internationalen Buchwoche in München, die sich dem Thema "Weltstädte – Stadtwelten" widmet. Bei Lesungen und Diskussionen wird die Metapher Stadt von allen Seiten beleuchtet: von der wunderbaren Utopie des himmlischen Jerusalem bis zu den in rasender Geschwindigkeit und metastasenartig wuchernden Stadtmonstern der Gegenwart ...

Augsburger Allgemeine, 25. März 2000



Eine gute Entscheidung, Autoren nicht nur wegen der Zugehörigkeit zu einem Land auszuwählen. Wer einen Schriftsteller wie Ignácio de Loyola Brandão über den sozialen Brennpunkt São Paulo sprechen, Doris Dörrie in der U-Bahn vorlesen hörte oder mit Yvonne Vera und Raj Kamal Jha durch München streifte, der erfuhr eine ganze Menge: über unsere und gänzlich andere Städte, über die eigene Wahrnehmung und fremde Stereotypen. Ein schönes Thema und ein paar gute Ideen – so scheinbar einfach kann es funktionieren. Mehr von solch spannenden Ausflügen in das Buch der Städte oder ganz woanders hin. Damit man auch in München was von Weltstadt spürt. Irgendwann.

Süddeutsche Zeitung, 25./26. März 2000



Viel war in diesen Tagen von der Stadt als Text die Rede und vom Flanieren als einer Art Lektüre. Diese Lektüre brachte eine Fülle von Stadtansichten, die wiederum in zahlreichen Lesungen und Podiumsgesprächen in Worte gefaßt wurden ... Bogdan Bogdanovic kam zu dem Schluß, die Stadt sei eben deshalb so interessant, weil man sie nie zu Ende lesen könne. Keine erschöpfenden Antworten also, aber jede Menge Anregungen. Und alles in einer heiteren, nahezu familiären Atmosphäre, die nicht nur die Autoren einte, sondern auch das Publikum mit einschloss. Raj Kamal Jhas überaus positive Schlußbilanz hat durchaus repräsentativen Charakter: "It was like you’re meeting schoolfriends ... Wir kommen alle aus völlig verschiedenen Welten – aus Beirut, Belfast oder wie ich aus Delhi. Wir haben uns nie zuvor gesehen, aber innerhalb von fünf Minuten haben wir auf wunderbare Weise erkannt, daß wir alle gleich sind ... I have never felt this in a long time, yes."

Die 11. Internationale Frühjahrsbuchwoche: ein Hauch Weltstadtluft in der kleinen Münchner Stadtwelt, ein Stadtmarathon der literarischen Art, lebendig und raumgreifend, grenzüberschreitend und kurzweilig wie selten zuvor.

Bayerischer Rundfunk, Kultur aktuell, 26.3.2000



Am Ende der Münchner Frühjahrsbuchwoche, die in diesem Jahr unter dem Titel "Weltstädte – Stadtwelten" stand, lösten sich die Städte im Internet und im Cyberspace auf. "Zoom City" erschien am Horizont, die Stadt, die wie ein kompakter Energiewürfel das Land wieder in die Metropole saugt ...
Selbstverständlich wurde bei der Buchwoche auch gelesen, zwar weniger als sonst und an aparten Orten: in der Kirche, dem Polizeirevier, der U-Bahn. Exotische Stadtwelten blitzten mit den von dort angereisten Schriftstellern auf: Harare ... Hongkong ... Kalkutta. Umgekehrt erschien bei Spaziergängen mit Elias Khoury (Beirut) und Nik Cohn (New York) München in exotischem Licht. So verwandelte sich etwa die Theatinerkirche in eine Moschee. Die altbekannten Metaphern – die Stadt als Mutter und Vampir, als Stätte von Mythos und Logos – wurden variiert; Diskussionen nahmen sich Einzelaspekte urbanen Lebens vor.
Immer wieder erstaunlich: wie viele Menschen solche Veranstaltungen besuchen. Natürlich bekam die bayerische Landeshauptstadt ihr übliches Fett ab: Sie rieche nicht, biete keine Reibungsfläche. Hans Pleschinski formulierte es freundlich. Er nannte München "Deutschlands größtes Kanapee". Ganze Hundertschaften haben sich in den vergangenen Wochen darauf niedergelassen.

Frankfurter Allgemeine, 28. März 2000



Jetzt haben wir endlich auch mal was erlebt, wovon wir dereinst noch unseren Enkeln erzählen werden. Wir ahnen schon, wie sie begierig an unseren Lippen hängen und immer wieder hören wollen, wie das damals war, im Jahr 2000, als wir mit Doris Dörrie in der U-Bahn gefahren sind. Dann werden wir unsere Heizdecke zurechtrücken und den Kleinen einmal mehr berichten, wie wir eines schönen Märztages zusammen mit drei Dutzend anderen Journalisten, Fotografen und einem Kamerateam rein zufällig an der Haltestelle Sendlinger Tor herumstanden. Und wie dann – völlig überraschend natürlich - Doris Dörrie in einem babyblauen, knöchellangen Mantel anrauschte, mit uns in einen Waggon der U 3 stieg und mitten im Feierabendverkehr aus ihrem jüngsten Buch vorzulesen begann ...
Natürlich hatte die diesjährige Münchner Frühjahrsbuchwoche aber noch mehr zu bieten als solche "Untergrund-Lesungen" ... Jedenfalls hatten sich die Veranstalter (das Kulturreferat) und die Kuratorin Cornelia Zetzsche erfolgreich bemüht, uns den Duft der großen weiten Welt schnuppern zu lassen ...
Die wirklich entscheidende Frage, ob Berlin oder München der bessere Ort zum Schreiben ist, sollte erst ganz am Schluß der Buchwoche bei einer Podiumsdiskussion zur Sprache kommen ... Die Frage hingegen, welcher Ort für Literatur-Liebhaber der beste sei, wurde nicht gestellt. Die Antwort darauf ist nämlich ohnehin klar: München natürlich, die Stadt der Frühjahrsbuchwoche. Denn wo sonst, bitte schön!, kann man mit Doris Dörrie U-Bahn fahren?

Bayerische Staatszeitung, 31. März 2000