13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2004
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Macht der Klänge – Ohnmacht der Sprache
Ein Vortrag von Joachim Kaiser
am Donnerstag, 11. März, 18.30 Uhr, im Gasteig, Carl Orff Saal


»Beschriebene Musik«, so spottete der Dichter Franz Grillparzer einst, »ist wie ein erzähltes Mittagessen«. Es sei also unmöglich, das Besondere, das Klingende der Musik, zu beschreiben? Worte vermögen die Musik niemals einzuholen? Joachim Kaiser teilt Grillparzers prinzipielle Skepsis durchaus. Gleichwohl verweisen Bibliotheken voller Musik-Bücher, wissenschaftliche Abhandlungen, Romane und Essays auf die Entschlossenheit, das vermeintlich Unmögliche dennoch wieder und wieder zu versuchen. Die Musik hat im Denken, Fühlen und Schreiben besonders deutschsprachiger Schriftsteller über Jahrhunderte hinweg eine bedeutsame Rolle gespielt. Doch niemand hat seine Passion und seine Gedanken über Musik wohl so lustvoll und exzessiv zum Ausdruck gebracht wie Thomas Mann. Ausgehend von diesem »größten Musik-Verbalisierer unserer Literatur« erörtert Kaiser, dessen eigene Passion für Thomas Mann und für die Musik gleichermaßen hingebungsvoll ist, auf die für ihn typische, höchst unterhaltsame und gleichzeitig zutiefst profunde Art, warum Musik nicht angemessen verbalisiert werden kann und weshalb es in der Geschichte der Literatur dennoch und zum Vergnügen ungezählter Leser immer wieder trefflich gelungen scheint. Neben eher theoretischen Erörterungen – etwa, warum es so viel schwerer ist, etwas halbwegs Gültiges über Instrumentalmusik zu formulieren als über Opern, Kantaten und Lieder, wo es neben der Spannung zwischen Wort und Ton eben um Handfestes geht, nämlich große Gefühle -, findet sich allerlei Skurriles: Ein bedeutendes Gedicht von einem bedeutenden Dichter über eine, wie sich zeigt, nicht existente Sonate eines bedeutenden Komponisten; verunglückte Versuche – ein viel zu kolossales Gedicht für die Besonderheit einer Toccata; schließlich die Tücke eines Details: Wie Thomas Mann seinem Ratgeber Adorno in eine Falle ging, die dieser gar nicht aufgestellt hatte...
Joachim Kaiser ist ein Meister der Erhellung. Mit seinem unverwechselbaren Ton, der Analytisches ebenso prägt wie Anekdotisches, stimmt er den Zuhörer erlesen und subtil ein auf seine Gedankengänge. Was zu beweisen war, scheint schwer zu glauben: Daß die Wortkunst der Tonkunst letztlich nicht beizukommen vermag. Ist es ein Trugbild, das Kaiser uns vor Augen stellt? Das Bild vom ungleichen, doch glücklichen Paar?

Joachim Kaiser, geboren 1928 in Milken/Ostpreußen, studierte Musikwissenschaften, Germanistik, Philosophie und Soziologie. Der »Universalgelehrte der deutschen Kulturlandschaft«, seit 1959 Kulturkritiker bei der Süddeutschen Zeitung und von 1977 bis 1996 Professor an der Hochschule für Musik und darstellende Künste in Stuttgart, gilt als der »Kaiser« unter den Kritikern. Hunderte Folgen von Kaiser’s Corner, zahllose Bücher und Vorträge zu Literatur, Musik und Theater verliehen ihm den Rang eines im eigenen Land hoch geschätzten Propheten, einer der »die Tradition und das Moderne, Gelehrsamkeit und Leichtigkeit, Leidenschaft und Spiel, Vernunft und Humor vereinen kann« (Marcel Reich-Ranicki).
Patricia Reimann



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