13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2004
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Schwebende Klangskulpturen
zum Hilliard Ensemble
von Heike Lies


»Atemberaubende Gesangskunst in absoluter Vollendung« schwärmt die Presse über das Hilliard Ensemble. Die vier Sänger – David James, Countertenor; Rogers Covey-Crump und Steven Harrold, Tenor sowie Gordon Jones, Bariton – sind für ihre glasklaren und lupenreinen Interpretationen Alter Musik ebenso bekannt wie durch ihre Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten Jan Garbarek, der zu ihren Gesängen unter dem Titel »Officium« improvisierte. Auch die Uraufführungen von Werken des estnischen Komponisten Arvo Pärt zählen zu den Meilensteinen in der Karriere der englischen Musiker, die inzwischen durch regelmäßige Tourneen weltweit berühmt sind. Viele andere zeitgenössische Komponisten haben Stücke speziell für das Hilliard Ensemble komponiert, so dass die Sänger auch über ein reiches Repertoire an neuer Musik verfügen.
Kaum eine Musikform spiegelt wohl die komplexe Beziehung von Sprache und Musik durch die Jahrhunderte so deutlich wider wie A-Capella-Vokalmusik: Vom einstimmigen gregorianischen Choral, der die Sprachmelodie nachzeichnet und den Text in den Mittelpunkt setzt, bis zur zeitgenössischen lautmalerischen Komposition, in der kaum noch ein Wort erkennbar ist und die sprachlichen Bestandteile in verfremdeter Form als Baumaterial für Klang- und Geräuschflächen verwendet werden. Eine musikalische Vertonung kann vom Text selbst ablenken; die einzelnen Worte werden dann zu Auslösern von Assoziationen umfunktioniert. Oft sind es die klanglichen Qualitäten der Sprache, die einen Komponisten genauso interessieren wie der Inhalt eines Textes. In der Mehrstimmigkeit insbesondere geistlicher und liturgischer Musik wird die klangliche Wirkung im Raum mit einbezogen und ausgelotet. Schon zwischen der Wirkung eines gelesenen und eines gesprochenen Textes besteht ein großer Unterschied; weit größer ist der Gegensatz zwischen gesprochenem und gesungenem Text - und besonders eindrücklich erfahrbar in der mehrstimmigen Vokalmusik

Das Hilliard Ensemble, das schon seit Jahrzehnten als eines der besten Vokalensembles der Welt gilt, hat für die Internationale Frühjahrsbuchwoche mit »Echoes« ein Konzertprogramm zusammengestellt, in dem diesen unterschiedlichen Textvertonungen und -verarbeitungen nachgespürt wird. Zwischen der Entstehung der mittelalterlichen Musik Perotins und der des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Stephen Hartke liegen fast genau 800 Jahre. Durch die Gegenüberstellung dieser und ähnlicher Werke erfährt der Zuhörer eine klingende Zusammenfassung dessen, wie sich die Vokalmusik vom Mittelalter bis heute entwickelt hat.

Konzert mit dem Hilliard Ensemble am 10. März in der Lukaskirche
Siehe auch www.muenchenmusik.de



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