13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2004
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Alltagswahnsinn und Männercharme
zu FÖN
von Tina Rausch

»Wir machen keine klassische Lesung mit musikalischer Untermalung. Wir sind aber auch keine Band. Wir sind Fön.« So die Selbstbeschreibung der vier jungen Herren. Und wer sie einmal live erlebt hat, versteht, warum für ihre Art der Darbietung dringend eine neue Kategorie erfunden werden musste: Bei Fön stehen Literatur und Musik gleichberechtigt nebeneinander – und mögen sich so richtig.
Fön entstand im Jahr 2001 in Berlin. Ebmeyer und Rammstedt hegten zwar schon zu Schulzeiten in Bielefeld gemeinsame Bandpläne, verloren sich jedoch aus den Augen. In Tübingen lernte Ebmeyer Florian Werner kennen und wirkte zusammen mit ihm in einer Autoren-Formation namens »Die Dusche« mit. Als sich alle drei in Berlin wieder und dazu den Musiker Bruno Franceschini trafen, schlug die Geburtsstunde von Fön. »Der Name birgt kein großes Geheimnis«, sagen sie. Die Idee einer Freundin wurde einstimmig angenommen, »weil Fön kurz, prägnant und einprägsam ist«.
Prägnant und einprägsam ist auch so manche Textzeile. »Das Glück passt in ein Kleid von H&M«, heißt es da beispielsweise, »das Telefon habe ich doch nur für dich erfunden« oder »früher, in der schlechten Zeit, da hatten wir noch Phantasie«.
Kurz ist ein Abend mit Fön hingegen selten. Die literarische Boygroup stellt für jeden Auftritt ein neues Programm zusammen, im Repertoire befindet sich Material für über vier Stunden. Einige Texte stammen aus der Feder eines einzelnen Mitglieds, andere entstanden zu zweit oder zu dritt. Und bevor es an die Vertonung geht, werden die Texte gemeinsam durchgesprochen. Sie handeln von verpassten Chancen oder Lieben, vergangenen Zeiten und Einsamkeit. »Männerkitsch« also und der ganz normale Alltagswahnsinn, der auch gerne mal ins Skurrile abdriftet.
»Bei uns ist jeder an jedem Stück beteiligt«, sagt Florian Werner. Das gilt für die Produktion ebenso wie für die Darbietung. In einem rhythmischen Sprechgesang, meist deutsch, italienisch oder auch zweisprachig, begleitet von Klavier, Trompete, Gitarre oder Percussion-Instrumenten wie Pflastersteinen oder Brötchen, bringt Fön Lyrisches, Kurzprosa und Dialoge zu Gehör. Musikalisch lässt sich diese Show dann irgendwo zwischen Pop, Chansons, Jazz und Filmmusik einordnen.
Doch Konzepte sind da, um gebrochen zu werden. So präsentieren die vier in München nicht nur ihr musikalisch-literarisches Komplettprogramm – sie stellen auch ihre Soloprojekte vor. Denn vielleicht liegt hier das Erfolgsgeheimnis von Fön: Bis auf Frontmann Bruno Franceschini, der in einer weiteren Band als Manager, Texter und Sänger aktiv ist, machen alle Mitglieder auch im Literaturbetrieb von sich reden.
Auf bereits zwei Veröffentlichungen blickt Michael Ebmeyer zurück. Nach seinem Erzählband Henry Silber geht zu Ende legte er im Herbst 2002 mit Plüsch einen viel beachteten Roman über Liebe, Freundschaft und Scheitern vor. Tilman Rammstedt, Gewinner des Berliner Literaturwettbewerbs Open Mike 2001, schenkte uns in seinem 2003 erschienenem Debüt Erledigungen vor der Feier z.B. den großartigen Satz »Die Nacht, in der wir aufhörten, nicht miteinander zu schlafen.« Und Florian Werner, der 2001 den Allegra-Literaturwettbewerb gewann, veröffentlicht im nächsten Jahr seinen ersten Erzählband bei dtv.
Werners Manuskript steht kurz vor der Vollendung. Bei Ebmeyer und Rammstedt sieht’s ein bisschen anders aus: Beide haben ihre neuen Buchprojekte in den letzten Monaten etwas vernachlässigt. Schuld daran ist jedoch keine Schreibblockade. Sondern Fön. Nach der Produktion einer CD ist nun das erste gemeinsame Buch für den Piper Verlag in Arbeit. Worum es geht? »Es handelt sich um verschiedene Episoden, die am Ende alle auf uns hinauslaufen«, verrät Florian Werner. Wir haben es geahnt: Hinter Fön steckt doch ein Mythos.
Am 13. März im Kilombo (Sonderausgabe der »Geschichten aus der großen Stadt« im Rahmen der Internationalen Frühjahrsbuchwoche). Die Veranstaltung wird live auf Bayern 2 als »Zündfunk-Extra«-Sendung übertragen.



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