13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2004
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Dietrich Fischer-Dieskau

Als »bester Liedersänger der Welt« – so bezeichnete ihn die Times – füllte er jahrzehntelang die Konzertsäle. Bleibende Maßstäbe setzte er mit der jedes Wort artikulierenden Genauigkeit seines Vortrags.

Dietrich Fischer-Dieskau, 1925 in Berlin geboren, war Schüler von Georg A. Walter und Hermann Weissenborn. Nach dem Studium an der Berliner Hochschule für Musik, nach Militärdienst und Gefangenschaft debütierte er 1947 auf dem Konzertpodium, als er in Badenweiler ohne Probe für einen erkrankten Solisten im »Deutschen Requiem« von Brahms einsprang. 1948 verpflichtete man ihn als ersten lyrischen Bariton an die Städtische Oper Berlin, wo er als Marquis de Posa in Verdis »Don Carlos« debütierte.

Innerhalb weniger Jahre gab Dietrich Fischer-Dieskau Konzerte in allen Musikzentren und mit allen bedeutenden Dirigenten der Zeit. Gastspielverträge führten ihn an die Wiener und an die Münchner Staatsoper. Auslandsgastspiele in England, Holland, in der Schweiz, Frankreich und Italien folgten. 1952 sang Fischer-Dieskau erstmals bei den Edinburgher Festspielen. Ab 1954 war er ständiger Gast in Bayreuth, ab 1956 in Salzburg (dort hatte er 1954 mit Mahlers »Lieder eines fahrenden Gesellen« unter Furtwängler sein Debüt). Die Kritiker rühmten immer wieder die enorme stimmliche Schattierungsfähigkeit und die verantwortungsbewusste Akribie seiner Interpretationskunst.
Der Opernsänger Fischer-Dieskau sang bevorzugt an der Deutschen Oper Berlin und am Münchner Nationaltheater. Er gastierte an der Wiener Staatsoper, an der Londoner Covent Garden Opera, der Hamburger Staatsoper und während der Edinburgher Festspiele im Kings Theatre. Seine Interpretationen auf der Opernbühne wurden zu viel diskutierten Ereignissen; sein Falstaff, Don Giovanni, Macbeth, Mandryka, Almaviva oder Hans Sachs setzten neue Maßstäbe. 1954 fand die erste USA-Tournee mit Liederabenden und Konzerten statt, sein erster Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall war 1964.

Gleichbedeutend neben der Oper blieb der Konzertsaal. Dietrich Fischer-Dieskau engagierte sich vor allem für die Verbreitung des romantischen Klavierliedes, leistete aber auch »Pionierdienste« u.a. für Hans Werner Henze, Winfried Zillig, Gottfried von Einem und Aribert Reimann. Mit »Elegie für junge Liebende« von Henze und »Lear« von Reimann – letzterer bei den Münchener Opernfestspielen 1978 – gelangen ihm zwei ungewöhnliche Erfolge. Als Interpret der Schubert-Lieder hat Fischer-Dieskau – wie Joachim Kaiser schrieb - eigentlich nur einen wirklich gefährlichen Konkurrenten gehabt, nämlich sich selbst. Im Lauf der Jahrzehnte hat er neue Wege gesucht, ungeahnte Seelenbewegungen dargestellt und neue Standards gesetzt.

Ende 1992 stellte Dietrich Fischer-Dieskau nach mehr als 45 Jahren seine Konzerttätigkeit ein. Seither widmet er sich der Musik als Lehrer, Dirigent, Rezitator und Buchautor. Die Universität Oxford, die Yale University, USA, die Sorbonne Paris und die Universität Heidelberg verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Neben vielen anderen Auszeichnungen wurde er 2000 zum Ehrenbürger von Berlin ernannt. Seit 1983 ist er Professor an der HdK Berlin und ihr Ehrensenator.
Buchveröffentlichungen u.a.: Töne sprechen, Worte klingen. Zur Geschichte und Interpretation des Gesangs (1985); Die Welt des Gesangs (1999); Franz Schubert und seine Lieder (1999); Musik im Gespräch (2003).


Im Rahmen des Symposions:
»Literatur & Musik – Konkurrenz oder Symbiose?« im Literaturhaus:
- Dietrich Fischer-Dieskau im Gespräch mit Jens Malte Fischer am 13.3., 16.00 Uhr
- Podiumsgespräch mit Dietrich Fischer-Dieskau, Violeta Dinescu, Manfred Trojahn und Hanns Ulrich Treichel am 14.3., 16.00 Uhr



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