13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2004
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Dialoge 13: Sinnesforscher – Seelenmaler
Von Wortmelodien und Klangsprachen, vom Hören und Lesen der Welt
Mit Wolf Wondratschek und Udo Zimmermann
Moderation: Cornelia Zetzsche
am Sonntag, 14. März, 11.00 Uhr in den Kammerspielen/Werkraum

Die Versuchsanordnung ist immer die gleiche, und sie ist immer ganz einfach: Eine Bühne, ein schwarzer Tisch, schwarze Stühle, zwei Mikrofone, zwei Menschen, ihre Geschichten. Geschichte und Geschichten, Konflikte und Leidenschaften, Kommunikation und Krise, Austausch, Widerspruch, Verständnis. Ein Dialog zwischen zwei Intellektuellen. Bisher über Europa oder Israel, Politik als Theater und Theater als Politik, Erleben und Erzählen. Diesmal über Stimme und Klang, Musik als Dialog ohne Worte, Wort und Melodie als zur Kultur gewordene Natur. Sie diskutieren über Sprache und Musik als Ausdruck von Emotion und Bewusstsein, über Kunst als Forum visionärer Räume, Musik als literarisches Thema und narrative Strukturen in der Musik, über den Spannungsbogen von Sprechen, Schreiben, Komponieren, Grenzbereiche sprachlicher und musikalischer Entwürfe und Ressourcen, ästhetische Maßstäbe und politische Verantwortung.

Udo Zimmermann, dirigierender Komponist und komponierender Dirigent, Kulturpolitiker, Intendant, Förderer der Avantgarde, Leiter der Reihe Musica Viva des Bayerischen Rundfunks und Gastdirigent aller großen europäischen Orchester, ist eine künstlerische und politische Instanz in der gesamtdeutschen Musiklandschaft. Er kennt die Spannungsbeziehung von Musik und Literatur. Immer wieder experimentiert er mit der Wechselwirkung Wort und Ton, vertont Fabelhaftes von Peter Hacks, Lyrisches von Pablo Neruda oder Prosa von Ernst Barlach. Aus Johannes Bobrowskis Roman »Levins Mühle« machte Zimmermann eine Oper in neun Bildern. Sein Musiktheater verbindet die Oper mit Epischem Theater, Kunstmärchen, lyrischen Gesängen. Er studierte Federico Garcia Lorcas Überlegungen zur Musik. Seine Sinfonia come un grande lamento folgt den Worten des Spaniers: »Meine Aufgabe soll es sein zu rufen, jeden Tag in einer Welt, die voll ist von Ungerechtigkeit und Elend!«

Wolf Wondratschek, Porträtist der 68er Generation und Mitbewohner von »Chucks Zimmer«, Verfasser antibürgerlicher Texte und Sonette über »Die Einsamkeit der Männer«, Seelenarchäologe der 70er und »Arschloch« der 80er Jahre, widmet sich längst auch der Ernsten Musik und zeitgenössischen Kompositionen. Seine Prosa, Hörspiele, epischen Poeme und Sonette zeigten früher schon seine Musikalität und Nähe zur Klassischen Musik. In den letzten Jahren machte der Rock-Poet die Klassische Musik und den Musikbetrieb explizit zum Thema, im Roman Mozarts Friseur etwa. Erzählungen wie Die große Beleidigung, angesiedelt im melancholisch-morbiden Charme seines Wahlorts Wien, skizzieren Künstlerentwürfe und Künstlerbiografien mit ihren Nebenwirkungen: Ruhm und Scheitern, Seelenqualen und Einsamkeit. Sein jüngster Roman Mara erzählt die Geschichte eines Cellos und erforscht den historischen Resonanzboden des legendären Instruments.

In Folge 13 der Redereihe DIALOGE, einer Kooperation von Münchner Kammerspielen, Internationaler Frühjahrsbuchwoche und Bayern2Radio, reden Wolf Wondratschek und Udo Zimmermann, der Musiker und der Literat, über die Spannungsaggregate Sprache und Ton, Traum und Realität, Kunst, Geld und Politik.

Dieter Heß/Cornelia Zetzsche



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