13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2004
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Mix of Arts – Art of the Mix
mit Thomas E. Bauer, Bariton, und Uta Hielscher, Klavier (»Wunderhorn-Lieder« von Gustav Mahler), Zoro Babel (Live-Sampling), Thomas Meinecke (Lesung).
Anschließend Podium zum Thema »Mix« mit Zoro Babel, Thomas Meinecke, Lydia Hartl und Siegfried Mauser
Moderation: Michael Schmidt und Martin Hielscher

am Donnerstag, 11. März, 20.30 Uhr
im Literaturhaus, Saal

Gustav Mahler hat, radikaler als irgendein anderer Vertreter der sogenannten Programmmusik (wie Hecor Berlioz oder Franz Liszt), in seinen Werken rein musikalische Immanenzzusammenhänge aufgebrochen zugunsten eher literarischer Formgebungen, die den Einsatz trivial-musikalischen »Vokabulars« ebenso einschließen wie »vormusikalische« Naturlaute oder »außermusikalisch« motivierte Klanggesten. Mit seiner musikalischen Prosa hat Mahler collagierende Verfahren der Postmoderne vorweggenommen, wie sie sich auch in den medientechnisch ermöglichten Remixes heutiger Avantgarde-DJs weiterentwickeln: Laptop-Musiker nutzen alle in der vernetzten Welt verfügbaren Klänge als Material für ihre kreativen Collagen. Die Kunst, die Neues aus Vorhandenem schafft, macht auch vor den sogenannten Klassikern der Musik nicht Halt. Mit den Möglichkeiten digitaler Medientechnologie sprengt sie den Mythos vom geschlossenen Werk. Die Kunst des Mixens schafft mit ihren Sample-Collagen immer neue Zusammenhänge und Perspektiven.
Die Interpretation ausgewählter Mahler-Lieder durch Thomas E. Bauer und Uta Hielscher bildet das musikalische Ausgangsmaterial für das von Zoro Babel live gestaltete Mahler-Sampling, in in das sich unterschiedliche Musik-, Klang- oder Geräuschaufnahmen mischen.
Auch in der Gegenwartsliteratur hat sich das »Mixen« etabliert. Thomas Meinecke ist einer der wichtigsten Autoren, die dieses Verfahren auf literarische und theoretische Texte anwenden. Meinecke, selbst Musiker und DJ, ist ein beispielhafter Grenzgänger zwischen Literatur und Musik.
Das Podiumsgespräch nimmt die Geschichte und die Brisanz der Kunst des Mixens in den Blick: Welche neuen Perspektiven, nicht nur auf die Ausgangsmaterialien, können sich durch die Produktion und Rezeption von Loops und Collagen eröffnen? Inwieweit stellt der collagierende Umgang mit musikalischen oder sprachlichen Materialien die traditionellen Begriffe von Autor und Werk, aber auch die Unterscheidung zwischen »high and low culture« in Frage? Was geschieht mit den Inhalten und mit der »Aura« des gesampelten Materials? Gibt es nicht nur eine eigene Ästhetik sondern auch eine Ethik des Mixens?
(Zu den Teilnehmern: siehe Seite 16.)
Die Veranstaltung wird vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt in Bayern 2 Radio gesendet.

Text und Konzept: Martin Hielscher und Michael Schmidt



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