13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
Kurzinfo
Einführung
Autorinnen und Autoren
Gesprächspartner / Moderatoren ...
Veanstaltungskalender
Lesenächte, Symposien ...
Begleitveranstaltungen / Ausstellungen
Kinderprogramm
Filmprogramm
Artikel
Impressum
Veranstalter
Presseschau
Archiv
Home

Foto Michael LeyeStraßenjungs
zu Michael Leye
von Katrin Dirschwigl

I
ndien: Hierhin führt eine der »Erkundungen. Reisen zum Hören«, die der Regisseur und Schauspieler Michael Leye zusammen mit seinen Kollegen Andreas Derda und Andreas Peckelsen erlebt und dokumentiert hat. Die Reisen für kleine und große Leute (ab 8 Jahren) führen zu »Kaffee-Indianern« nach Mexiko, »Tanzmädchen« nach Brasilien, zu den »Kürbiskindern« in Tansania und nach Indien, wo Michael Leye und seine Kollegen gleich nach ihrer Ankunft in Bombay Sudhir und andere »Straßenjungs« (Vertrieb der CD über Universal Music 2000) treffen: obdach- und elternlose Kinder, die täglich aus dem ganzen Land nach Mumbai kommen. Die meisten sind von zu Hause weggelaufen, weil sie mißhandelt oder mißbraucht worden sind. Michael Leye hat über diese und andere Begegnungen in Indien zuerst ein Theaterstück geschrieben, das er später als »Hörbild« bearbeitet und in seinem eigenen Studio aufgenommen hat, der Text wird von Andreas Derda und Andreas Peckelsen gesprochen.
In der Riesenstadt Bombay brechen Hektik und Lärm über die Reisenden herein. Sie sehen die Hütten an den Straßenrändern, die Bettler und Krüppel, heilige Kühe, das Getriebe am Ganges. In einer Montage aus Sprache, Originaltönen, Geräuschen und Musik lassen sie ein Mädchen aus der Ziegelbrennerei und Straßenjungen über Alltag, Arbeit und Zuflucht im Projekt Shelter erzählen. In Pune begegnen sie der jungen Lehrerin Hima von der »Alternative School without Walls«, in der die Kinder von Bauern unterrichtet werden, die nicht in die normale staatliche Schule gehen, und außerhalb von Pune auf dem Land erleben sie Feste, Familienalltag und Projekttheater. Mit Entdeckerlust und Anteilnahme nähern sich Michael Leye und seine Kollegen dem Unbekannten und dem Vertrauten: sie erzählen authentisch und spannend, poetisch und engagiert, hautnah und subjektiv, diskutieren Kinderarbeit und den Traum der Dorfkinder von der großen Stadt. Die »Reisen zum Hören« stillen Wissensdurst und Fernweh.
Haseldorf: hier in den Marschen lebt seit Anfang der 90er Jahre der gebürtige Hamburger Michael Leye mit seiner Familie. Sein Haseldorfer Haus baute er zum »PAN-Theater und -Studio« aus: ein Kreativ-Zentrum für Schauspielunterricht und Aufnahme von Hörspielen, Rock’n Roll und Theaterproben. Michael Leye bringt viel Erfahrung für das ehrgeizige Projekt mit: Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, dann Regieassistenz u.a. bei Claus Peymann in Stuttgart, Engagements an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern. Mit Martin Lüttge - der einem breiteren Publikum durch die Rolle des Tatort-Kommissars Flemming bekannt wurde - baute er den Theaterhof Prießenthal auf, der heute als »Urzelle« der freien deutschen Theaterszene gilt, und er ist Mitinitiator des Pan-Theaters, einer multinationalen Schauspielertruppe in der Hamburger Kampnagelfabrik. Die PAN-Studios in Haseldorf haben professionellen Werkstattcharakter. Hier werden unkonventionelle Ideen verwirklicht wie die »Erkundungen. Reisen zum Hören«, die in der ursprünglichen Theater- wie in der Hörspielform viel beachtet und ausgezeichnet wurden. Von diesen Erkundungen quer durch vergangene und gegenwärtige Geschichte und Geschichten kommt man nachdenklich und geheilt von Vorurteilen zurück.

Michael Leye erzählt (mit Diavorführung) beim Kinderfest am 16. März



Internationale Frühjahrsbuchwoche München Landeshauptstadt München Kulturreferat