13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
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Foto Marie-Thérèse SchinsEin Elefant kommt selten allein
zu Marie-Thérèse Schins
von Katrin Dirschwigl

Wieder einmal begleitet Doro ihren Vater, einen Fotojournalisten, auf eine weite Reise. Im Jahr zuvor sind sie zusammen nach Afrika gefahren, und nun darf die inzwischen 12jährige Doro mit nach Südindien. In ihrem »Gedankenbuch«, das sie während der Reise immer in der Tasche hat, hält sie alles fest, was schön und fremd ist, aber auch Erfahrungen mit Armut und Kriminalität. Flughäfen, Millionenstädte, Slum-Viertel, heilige Tempel, Landschaften, Tiere und vor allem Menschen beobachtet sie genau. Oft genug fahren ihre Gefühle dabei Achterbahn. Am Anfang scheint es Doro, als sei die Welt hier »schief und krumm und schräg, und nur ab und zu ist etwas gerade«, und ihr Vater weiß: »Es wird dir kaum gelingen, dieses Kuddelmuddel in deinem Kopf zu ordnen. Aber du wirst dich an dieses Durcheinander gewöhnen, das für Inder gar keins ist.«
In Bombay ist es feucht und heiß wie in einer Waschküche. Auf den Straßen stinkt es nach Auspuffgasen und Urin und dem Modermief von den Müllhaufen. Dann riecht man plötzlich köstliche Düfte von Räucherstäbchen und Blumen, die fast an jeder Ecke verkauft werden. »Indien ist ein Land der Gegensätze«, hat der Vater gesagt. »Hoffentlich schaffst du es, den Blick für die vielen schönen Seiten nicht zu verlieren.«
Doro läßt sich auf das fremde Land ein, auf der Reise über Bombay und Madras bis Kerala, wo sie in einem Dorf einige Tage allein bei einer indischen Familie bleibt. Hier lernt sie südindisches Leben kennen: Mädchen gehen nicht im Meer schwimmen, ihre Ehepartner werden von den Eltern ausgesucht, und eine Tochter zu verheiraten kostet unglaublich viel Geld. Und sie erfährt, was es mit Elefanten auf sich hat. Unter anderem dies: »Ein Elefant kommt selten allein. Sie leben eigentlich in Herden, lieben die Gesellschaft der anderen und helfen sich immer gegenseitig. Das, was Elefanten untereinander austauschen und was sie auszeichnet: Vertrauen, Zuverlässigkeit, Freundschaft und Zusammenhalt« findet Doro schließlich auch in ihrer indischen Gastfamilie.
Marie-Thérèse Schins hat Ein Elefant kommt selten allein (Peter Hammer 2000) nach gründlichen Recherchen und vielen Indien-Reisen geschrieben. Sie bewundert »die freundlichen, friedlichen Menschen, den gegenseitigen Respekt und die 5000 Jahre alte Kultur mit ihren philosophischen Wurzeln«, beschreibt aber auch soziale Mißstände: die Kinderarbeit und die Alkoholproblematik, die viele Familien zerstört. Marie-Thérèse Schins, geboren in den Niederlanden, ist ausgebildete Kinderbibliothekarin. Heute lebt sie in Hamburg als freie Journalistin und Malerin, rezensiert Jugendliteratur und lehrt an der FH Hamburg. Schwerpunkt ihrer Arbeit mit Jugendlichen ist der Umgang mit Trauer in Schreib- und Malwerkstätten nach Methoden der Bibliotherapie. Auf die Frage, warum sie überhaupt mit den Doro-Romanen angefangen habe, erwidert sie: Ich bin schon von Neonazis angegriffen worden: verbal und körperlich. Das geschieht aus Angst, Unwissenheit und Vorurteilen. Meine Bücher sollen helfen, Angst vor fremden Kulturen zu nehmen.«

Die Autorin liest aus ihrem Buch auf dem Kinderfest am 16. März



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