13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
Kurzinfo
Einführung
Autorinnen und Autoren
Gesprächspartner / Moderatoren ...
Veanstaltungskalender
Lesenächte, Symposien ...
Begleitveranstaltungen / Ausstellungen
Kinderprogramm
Filmprogramm
Artikel
Impressum
Veranstalter
Presseschau
Archiv
Home

Krishnas Schatten
zu Kiran Nagarkar
von Renate Bürner-Kotzam

Der Englisch und Marathi schreibende Schriftsteller, Literatur-, Filmkritiker und Drehbuchautor aus Bombay wird immer wieder als geborener Geschichtenerzähler bezeichnet. Die Sinnlichkeit seiner Sprache füllt die Augen mit Farben, die Nase mit Düften und Gestank, die Ohren mit Lärm und Gesang, sie verführt zur Teilnahme an betörenden Liebesspielen und hinterlässt beinah körperliche Erinnerungen. Das Erzählen ist vielschichtig und gleichzeitig 'transparent'. Mitgerissen von der Geschichte taucht man ein in die Komplexität des Geschehens.
Schon Nagarkars erster Roman Saat Sakkam Trechalis (1974: Seven Sixes are Forty-Three, Heinemann), gilt wegen seines revolutionären Umgangs mit der Sprache und dem »nihilistischen Optimismus« seiner Momentaufnahmen als Meilenstein der Marathiliteratur. Zwar erprobt Kiran Nagarkar ständig neue Erzählstrategien, immer jedoch fasziniert, wie er seine Erzählung zu einem Panorama von Geschichten und spannenden Exkursen über Alltagsdetails und philosophische Fragen entfaltet.
Kiran Nagarkar, der immer wieder die Abhängigkeit indischer Schriftsteller von westlicher Wertschätzung kritisiert, fasziniert vielleicht gerade weil sein Erzählen sich weder an einem westliche Leser noch an exotischen Indienbildern orientiert. Seine Romane und Dramen fordern, das Selbstverständnis der eigenen multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft in der ständigen Erkundung des Spannungsfeldes von Tradition und Gegenwart zu suchen, wie das 1995 erschienene Theaterstück Kabirache Kaya Karayache über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems von 1993 oder der Roman Ravan und Eddi (1995), der die Freundschaft zwischen einem katholischen und einem hindustischen Jungen in dem spannungsgeladenen Mikrokosmos eines typisch indischen Reihenhauses erzählt, in dem die einzelnen Etagen nach Religionszugehörigkeit bewohnt werden.
Nagarkars schonungsloses Befragen überlieferter Wahrheiten und Konventionen, sein respektloser Umgang mit einer fragwürdigen Tradition provozierte den wiederholten Vorwurf der Blasphemie und führte zu einem 17 Jahre dauernden Verbot seines Theaterstücks Bedtime Story, einer Auseinandersetzung mit dem indischen Epos Mahabharata.
Auch sein jüngster Roman Cuckold (1997), für den Kiran Nagarkar 2000 einen der höchsten indischen Literaturpreise erhielt, den Sahitya Akademi Award, und der im Herbst 2001 im A1 Verlag unter dem Titel Krishnas Schatten in deutscher Übersetzung (von Giovanni und Ditte Bandini) erscheint, erzählt nicht nur von Eifersucht, Ekstase und Listen in der Dreiecksgeschichte zwischen Mirabai, der heute noch bekanntesten indischen Dichterin, ihrem Mann, dem Thronfolger eines nordindischen Königreiches, und dem flötenspielenden Gott und Frauenheld Krishna. Der Roman führt auch in Geschichte und Kultur dieses nordindischen Königreiches aus dem 16. Jahrhundert; Erzähler des Panoramas aus erfundenen Geschichten, Mythen und kenntnisreichen Exkursen über Machtpolitik, Kriegsführung, Palastintrigen, Sozialleben und Spiritualität ist der gehörnte Ehemann, der Kronprinz und 'Hahnrei', der ständig hinterfragt, woran er glauben möchte. Cuckold ist eine Interpretation von Geschichte, der es weniger um historische Wahrheit geht als um die Rekonstruktion von zeitlos relevanten Lebensgefühlen, Lebensmustern und Fragen - auch nach der Reformfähigkeit Indiens.

Veranstaltungen mit dem Autor am 9., 11.,13. und 15. März




Internationale Frühjahrsbuchwoche München Landeshauptstadt München Kulturreferat