13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
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Dieses lange Schweigen
zu Shashi Deshpande
von Vridhagiri Ganeshan

Shashi Deshpande, geboren 1938 in Dharwad und Tochter des bekannten kannadischen Dramatikers und Sanskritgelehrten 'Sriranga', ist eine der angesehenen Autorinnen im heutigen Indien, die auf Englisch schreiben. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften, Jura, Anglistik und arbeitete kurze Zeit als Journalistin. Zweisprachig war sie aufgewachsen, mit Kannada und Marathi, und doch wählte Deshpande Englisch als ihre Literatursprache. 1970 veröffentlichte sie ihre erste Erzählung, es folgten Erzählbände, Kinderbücher und Romane, von denen einige in mehrere Sprachen übersetzt wurden.
In allen Romanen und Erzählungen von Shashi Desphande geht es um Rolle und Selbstverständnis der Frau in Indien, um die Schwierigkeit, sich in einer von Männern beherrschten Gesellschaft behaupten zu müssen. Allerdings läßt sich Shashi Deshpande ungern als Feministin (gerade im euro-amerikanischen Sinne) bezeichnen. Sie bezweifelt die Übertragbarkeit westlicher Feminismustheorien auf das Alltagsleben indischer Frauen. Sie meint sogar, viele Inderinnen seien 'feministisch', ohne es zu wissen!
Ihr Roman Das Dunkel birgt keine Schrecken (Verlag Im Waldgut, 1989, Ü: Giovanni Bandini) rückte zum ersten Mal eine berufstätige Inderin in den Mittelpunkt und brachte ein Tabuthema zur Sprache: Saru ist tagsüber eine erfolgsreiche Ärztin, nachts fühlt sie sich wie ein gefangenes Tier, weil ihr Mann sie vergewaltigt. Sie kehrt in ihr Elternhaus zurück und gewinnt den Mut, mit ihren Problemen fertig zu werden und einen neuen Weg zu finden.
Shashi Deshpande lebt in Bangalore, dem indischen Zentrum für Computer- und Info-Technology. Sie sei anders als andere Inder/innen, die auch auf Englisch schreiben, sagt sie von sich selbst. Sie will die indische Realität darstellen, wie sie ist, und nicht für ein europäisches Publikum marktgerecht exotisch umgestalten. Auch in vielen Aufsätzen und Interviews nahm sie zu diesem Thema Stellung und machte aufmerksam auf die Benachteiligungen einer schreibenden Frau im Literaturbetrieb.
Der Roman That Long Silence (Die Last des Schweigens, Verlag Im Waldgut 1989, Ü: Maja Ueberle-Pfaff) brachte Shashi Deshpande 1990 den Sahitya Akademy Award. Im Zentrum dieses Ich-Romans steht Jaya, eine Frau aus der indischen Mittelschicht, die erkennen muß, daß sie keine Chance hat, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, weil sie auf ihre Rollen als Ehefrau und Mutter festgelegt wird. Dabei werden die familiären Beziehungen immer oberflächlicher: Schweigen breitet sich aus zwischen Mann, Frau und Kindern. In Matter of Time (Feminist Press 1999) entwirft Shashi Deshpande das Porträt einer Familie, ein Familienmuster aus weiblicher Sicht: drei Generationen von Frauen und ihre unterschiedlichen Lebensformen, Perspektiven, Erwartungen kommen erzählerisch ins Bild. Und Small Remedies, der jüngste Roman der Autorin, erzählt die Lebensgeschichte von zwei Frauen, die, jede auf ihre Weise, aus der Familie ausbrechen, um im öffentlichen Leben Erfüllung zu finden.
Shashi Deshpande verzichtet auf ästhetische, literarische Experimente. Sie erzählt von den gesellschaftlichen Zuständen einer Kultur, der sie angehört und die sie selbst jeden Tag ein- und ausatmet. Ihre »Bücher sind ein 'Muß' für alle, die interessiert sind am indischen Leben, am indischen Denken«, schrieb eine Kritikerin, und wirklich gehört Shashi Deshpande auch in Indien zu den wenigen Autoren, die auf Englisch schreiben und dennoch als »indisch« akzeptiert werden.

Veranstaltungen mit der Autorin am 8., 9. und 10. März



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