13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
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Leben auf dem Bindestrich
zu Keki Daruwalla
von Elisabeth Braune

Keki Daruwalla gehört zu jenen, die schon in den 70er Jahren im Englischen ihr Medium als Schriftsteller fanden - ein Affront im literarischen Indien damals wie heute. Für ihn und seine Kollegen war Englisch als Literatursprache nicht länger Zeichen einer antiindischen Haltung, sondern der Versuch, das »Indische im Englischen« zu betonen, also auch auf sprachlicher Ebene eine Versöhnung anzustreben. Keki Daruwalla verleugnet und verdrängt nicht, daß die britische Kolonialherrschaft großen Einfluß auf die indische Kultur und Gesellschaft genommen hat. Wichtig ist ihm, diese Veränderungen zu thematisieren und sie heute als einen Teil dessen zu sehen, was Indien ausmacht. Living on Hyphen, nennt er ein Gedicht, Leben auf dem Bindestrich.
Nachvollziehbar wird sein harmonisierender Ansatz durch die biographischen Daten: Keki Daruwalla ist 1937 in Lahore, im heutigen Pakistan, geboren. Er kommt aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie, in der Bildung groß geschrieben wurde. Sein Vater unterrichtete Englisch. Von klein auf war der Sohn umgeben von Kunst und Literatur. Keki Daruwalla ist Parse, Nachfahre jener Anhänger Zarathustras also, die vor über 1000 Jahren aus Persien nach Indien kamen. Daruwallas Verse zu den griechisch-persischen Kriegen, Of Brutus and Borges und andere reden immer wieder von Verrat und Brudermord. Die Winter Poems sprechen von staatlicher Tyrannei gegen das Wort. »History always came from the north«, heißt es in einem seiner Gedichte, das auch anspielt auf die muslimischen Eroberer Indiens. Aber Daruwallas Themen-Reper-toire reicht selbstverständlich über historische und politische Themen hinaus: Der russisch-jüdische Dichter Ossip Mandelstam, Island oder das Plädoyer für den letzten Wal, die Liebe oder ein chinesischer Poet in der Verbannung - alles kann zum lyrischen Motiv oder Thema seiner Kurzgeschichten werden, auch die visionären Tagträume eines Schamanen. Living on Hyphen dichtet er, und offen bleibt, ob dieser Hyphen eher ein Binde- oder ein Trennungsstrich ist. Denn Daruwalla verbindet mühelos scheinbar Trennendes, Literatur und Politik etwa. Die offizielle berufliche Laufbahn des Schriftstellers führte von der Abgeordnetenbank in die höchsten Etagen von Ministerien und Polizei, bis zum Präsidentenberater unter Moraji Desai 1979. Seit 1995 außer Diensten, gilt Keki Daruwalla bis heute als Sicherheits-Experte für Südasien, als Fachmann auf den Gebieten Internationale Beziehungen und Terrorismus, Totalitarismus und Gesellschaft. Seit Jahren schreibt er Kommentare und Kolumnen für die Economic Times etwa, über die indisch-pakistanischen Beziehungen und anderes. Lieber aber spricht Keki Daruwalla über Literatur und seine literarischen Ambitionen. Mit The Keeper of the Dead (1982) gewann er letztes Jahr den Sahitya Akademi Award, und für Landscapes (1987) erhielt er den Common-wealth Poetry Prize for Asia. Seine Position im Sprachenstreit der indischen Literaten formuliert er eindeutig im Gedicht Geliebte:

Nein, Englisch-Indisch ist sie nicht.
Die Portugiesen würden mich hängen
und rundrum grün und blau prügeln.
Aus Goa stammt sie nicht, ist keine
Syrien-Christin.
Indisch-Englisch ist sie, meine Sprache.


Veranstaltungen mit dem Autor am 8., 10. und 12. März


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