13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
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Foto Abdul BismillahDie Melodie des Webstuhls
zu Abdul Bismillah
von Elisabeth Braune

Saris und Tücher sind von seltsamem Zauber in ihrer schillernden Schönheit aus Seide, Brokat und Spitze. Und so beginnt Abdul Bismillahs Roman The Song of the Loom/Das Lied des Webstuhls denn auch wie ein Märchen: Benares oder Kashi, so heißt es, ist die älteste Stadt der Welt. Auch wenn sein Ursprung verloren ist in der Zeit, so wurde doch hier der Sari geboren aus Benares-Brokat. Er verwob sich mit der Geschichte, er formte das kulturelle Gewebe des Landes. - Das ist die eine Seite der für Hindus heiligen Stadt Benares/Varanasi am Ganges. Die andere, und auch davon erzählt Abdul Bismillah, sind Armut, Elend und Ausbeutung derer, die diese Stoffe herstellen. Es ist die Geschichte der Weber von Benares, ihrer Sehnsüchte und Träume, von Verzweiflung und einem Alltag, der so gar nichts hat vom wunderbaren Glanz der Stoffe.
Der Weber Mateen und seine an Tuberkulose leidende Frau kämpfen tagtäglich aufs Neue um ihre Existenz. Der gierige Kaufmann Saheb beutet sie aus, bereichert sich auf Kosten der Weber, die zwar den Webstuhl haben, aber nicht die wertvolle Seide und somit auf ihn angewiesen sind; ein »großer, bärtiger Blutsauger«. Mateens größter Wunsch ist es, genügend Geld für den Bau der neuen Moschee beizusteuern, um die Würde seiner Familie in der Gemeinde zu zeigen, aber seine kranke Frau braucht gesundes Essen, und für beides reicht sein Lohn nicht. Trotzdem gibt es sie, die kleinen Momente des Glücks, die Hoffnungsschimmer, die ungebrochene Leidenschaft der Weber für ihr Handwerk und ihre Fertigkeit, die ihnen auch durch die größten Schikanen der Stoff-Fabrikanten und -Händler nicht genommen wurde.
Geboren wurde Abdul Bismillah 1949 in einem Dorf bei Allahabad, einer anderen heiligen Stadt am Ganges, unweit von Benares. An der Universität von Allahabad studierte er Literaturwissenschaften. Gleich seine erste Anstellung brachte ihn für 10 Jahre nach Benares, wo er das Leben der Sari-Weber vor Ort intensiv studierte. Sein Roman The Song of the Loom erregte in Indien großes Aufsehen, wurde mit indischen Literaturpreisen ausgezeichnet und ist das poetische Ergebnis dieser Erfahrungen und Beobachtungen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive indischer Moslems, die im Staat Uttar Pradesh zahlreich vertreten sind. The Song of the Loom war einer der ersten Romane, der im Milieu der muslimischen Unterklasse Nordindiens spielt, und das ausgerechnet in Benares, der heiligen Stadt der Hindus.
Abdul Bismillah, in Uttar Pradesh geboren und aufgewachsen, kommt aus einer Moslem-Familie der unteren Mittelschicht. Er selbst spürte die Diskriminierung und Unter-drückung, die seine Figuren erleiden müssen; die Authentizität seiner Worte erscheint in jeder Zeile. Eigentlich sollte Abdul Bismillah Steinmetz werden. Geld für eine höhere Schule war im Elternhaus nicht vorhanden. Also brachte er sich alles selber bei, machte eine Universitätskarriere und unterrichtet heute an der Hindi-Fakultät der Jamia Millia Islamia Universität in Neu-Delhi vergleichende Literaturwissenschaft, Creative Writing und moderne Hindi-Literatur. Das ist außergewöhnlich. Denn eigentlich ist Urdu die Sprache der muslimischen Autoren aus dem Norden Indiens, doch Bismillah entschied sich in seinen fünf Romanen, in Kurzgeschichten und Gedichten für Hindi.
Abdul Bismillah erhielt unter anderem den Soviet Land Nehru Award, lebte zwei Jahre in Polen, reiste nach Ungarn, in die frühere CSSR, nach Deutschland und Frankreich und ist erklärter Marxist. Sein Werk, das anfangs romantische Züge hatte, ist heute geprägt von der harten Auseinandersetzung mit sozialen Problemen. Von seiner Sensibilität hat es dennoch nichts verloren.

Veranstaltungen mit dem Autor am 8., 10. und 11. März


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