13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
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Foto AshokamitranSkizzen aus dem Drama des Lebens
zu Ashokamitran
von Vridhagiri Ganeshan

Das menschliche Leben ist ein großes Drama, und was ich geschrieben habe, sind nur einzelne kleine Szenen davon!« sagt Ashokamitran (eigentlich Jagdish Thyagarajan), einer der bekanntesten Tamil-Autoren Indiens. Im Lauf der letzten 45 Jahre hat er mehrere Romane und Novellen sowie über 150 Erzählungen geschrieben und gilt in mehrfacher Hinsicht als Trendsetter, wenn von der zeitgenössischen Tamil-Literatur die Rede ist. Für den Erzählband Appavin Snehidar (Freund meines Vaters) erhielt er 1996 den Preis der Sahitya Akademi, einen der wichtigsten Literaturpreise des Landes.
Der preisgekrönte Roman Padhinettavadu Atchkodu (Der achtzehnte Breitengrad, 1977) erzählt von der Übernahme des Fürstenstaates Hyderabad durch das postkoloniale Indien (1950) und damit ein Kapitel aus Ashokmitrans Biographie: Geboren 1931 in Secunderabad, erlebte er als junger Mensch den damit verbundenen Terror und Aufruhr. Mit seiner Familie übersiedelte Ashokamitran 1952 nach Madras. Er war beim Gemini-Filmstudio für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und Redakteur der renommierten Zeitschrift »Kanayazhi« (Siegelring), die die literarische Szene in Tamil Nadu mit neuen Impulsen bereichert hat.
Sein erster Roman Karainda Nizhalgal (Aufgelöste Schatten) erschien 1969 und gilt als ein Meilenstein der Tamil-Literatur. Beschrieben wird darin, wie sich das Leben verschiedener Menschen während der Entstehung eines Films verändert. Der Roman Thanner (Wasser, 1973) schildert, wie in einer Krisensituation - akuter Wasserknappheit - Gier, Gemeinheit und Gefühllosigkeit gegenüber den Mitmenschen an die Oberfläche kommen. Und in Otran (Spion, 1985, ausgezeichnet mit dem Staatspreis von Tamil Nadu für den besten Roman des Jahres) geht es um die interkulturelle Begegnung von Schriftstellern aus verschiedenen Ländern in einer amerikanischen Stadt.
Ashokamitrans neuer Erzählband auf Deutsch (vorauss. Titel Unsere heilige Kuh, aus dem Tamil von Vridhagiri Ganeshan. Lotos Verlag, Frühjahr 2002) beschreibt südindisches Leben in Stadt und Land, Ambitionen, Hoffnungen, Enttäuschungen, Trauer der Mittelschicht vor allem. Ashokamitran zeigt die Widersprüche menschlichen Zusammenlebens, ohne zu werten, akzeptiert die komplexe menschliche Psychologie vor dem Hintergrund eines tiefen humanistischen Verständnisses. Er versteht sich als aufmerksamer Beobachter ohne jegliches Sendungsbewußtsein. Der Erzähler in seinen Werken hat keinen moralisch belehrenden Ton, bietet keine Lösungen an, ist vielmehr ein auf die Zustände sanft hinweisender Zeitgenosse, der lieber in den Hintergrund tritt, um eine direkte Kommunikation zwischen dem Leser und seinen Figuren zu ermöglichen. Dem entspricht Ashokamitrans unaufdringlicher, einfacher Stil, der, mit unterschwelligem Humor untermalt, auf jegliche Abstraktion verzichtet. Mit scharfem Blick fürs Detail stellt er seine Figuren dar, ihre Genügsamkeit und Lebensfreude. Wichtig ist nicht, was im einzelnen mit ihnen geschieht, sondern wie sie sich verhalten. Als indischer Leser kann man sich ohne Probleme mit ihnen identifizieren und solidarisieren, denn sie denken und handeln genauso wie man selbst in ihrem Kampf gegen die Tücken des Alltagslebens in Indien.

Veranstaltungen mit dem Autor am 8. und 10. März



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