13. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2002
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Tradition auf dem Prüfstand
zu U.R. Ananthamurthy
von Vridhagiri Ganeshan

U. R. Ananthamurthy, bekannt für sein gesellschaftliches Engagement und ein Repräsentant der »Navya«-Bewegung (Die neue Bewegung) in der Kannada-Literatur, ist einer der wichtigsten Autoren Indiens. Seine Themen: Die Auseinandersetzung mit dem Kastensystem und mit religiösen Vorschriften und Traditionen sowie die Wechselbeziehung zwischen dem überlieferten kulturellen Wertsystem und den neuen Werten einer sich verändernden Welt.
Geboren 1932 in dem Dorf Melige in Karnataka, ging Ananthmurthy dort in eine traditionelle Sanskrit-Schule, wuchs auf als »Ghandian Socialist«, wie er selber sagt, und studierte später Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft in Mysore und Birmingham, wo er 1966 promovierte. Er war einige Jahre Professor für englische Literatur an der Universität Mysore, später Vice-Chancellor der Mahatma Gandhi Universität in Kottayam, Vorsitzender der »National Book Trust« (der nationalen Stiftung für Bücher) und Präsident der »Sahitya Akademi«, der indischen Literaturakademie; zahlreiche Gastprofessuren führten ihn nach Europa und in die USA.
Seine literarische Karriere begann Ananthamurthy 1955 mit dem Erzählband Endendhigu Mugiyada Kathe (Eine nie endende Geschichte); seither hat er vier Romane, ein Drama, sechs Bände mit Kurzgeschichten, fünf Lyrikbände und sechs Essaybände in Kannada und zahlreiche literaturkritische Aufsätze auf Englisch veröffentlicht. Seine Werke sind in mehrere indische und europäische Sprachen übersetzt und mit bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet worden, u.a. mit dem »Jnanpeeth Award« (1994), dem höchsten Literaturpreis Indiens.
Als sein bedeutendster Roman gilt Samskara oder Was tun mit der Leiche des Ketzers, die uns im Weg liegt und das Leben blockiert (1966, dt. 1994 im Verlag Im Waldgut, aus dem Kannadischen von Gernot Schneider). Samskara bedeutet sowohl Kultur als auch Ritual, aber auch Todesritus. Erzählt wird die Geschichte eines Dorfpriesters, der sich mit den sozialen und religiösen Tabus seiner Umwelt auseinandersetzt und eine Antwort sucht auf die Frage: Was ist eigentlich »Samskara«? Wird Kultur nur dann aufrechterhalten, wenn man der Tradition mit blindem Eifer folgt? Ananthamurthy problematisiert die Diskriminierung durch das Kastenwesen, die repressive Glaubenspraxis der Brahmanen, den Konflikt zwischen sinnlicher Begierde und »Unfehlbarkeit« der religiösen (Vor-)Schriften und Identitätsprobleme der Hindus, vor allem die der Brahmanen. Mit der Verfilmung des Romans begann 1970 eine neue Welle von Literaturverfilmungen in Indien.
In dem Roman Bharatipura (1973) kehrt der Brahmane und Grundbesitzer Jagannatha nach seinem Studium in England in seine sehr traditionsgebundene Stadt zurück und versucht, die dortigen Gesellschaftsstrukturen zu verändern. Er will den Unberührbaren den Eintritt in den Tempel ermöglichen und stößt dabei auf den Widerstand der höheren Kasten. Sein Versuch, um sich herum ein gerechtes System zu schaffen und damit auch zu innerer Freiheit zu gelangen, scheitert. - Eine authentische Schilderung der sozio-politischen Degeneration des postkolonialen Indiens liefert der Roman Awasthe (Die Lage, 1978); er zeigt auf, wie dieser Zustand das Leben eines ehrlichen Politikers beeinträchtigt.
Ananthamurthy ist ein Schriftsteller mit Engagement, beteiligt sich am Kampf der Bauern seiner Region, an ökologischen Aktionen und Debatten. Immer wieder neu stellt er sich selbst in Frage und damit auch die Identität vieler indischer Autoren von heute, die zwischen der eigenen Tradition und dem euro-amerikanischen Einfluß schwanken. Ganz bewußt schreibt er nicht auf Englisch, sondern in Kannada. Einen Namen machte er sich auch als Generalsekretär der Bürgerinitiative für Zivilrechte im südindischen Bundesstaat Karnataka. Sein Credo: »Ich glaube zutiefst an die Demokratie, eine dezentrale Wirtschaft und eine pluralistische Gesellschaft«.

Veranstaltungen mit dem Autor am 8., 10., 11. 14. und 15. März



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