12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2001
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Von Tieren und Pflanzen, Menschen und Monstern
und der Rückseite der Welt:
Naturkundebücher im Mittelalter
Referenten: Christian Hünemörder und Norbert H. Ott
Am Montag, 12. März, 19.00 Uhr,
in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Marstallplatz 8


In keiner anderen Epoche haben sich science und fiction so eng berührt wie im Mittelalter, fanden Wunderwesen, die die Ränder der Welt bewohnten, ihren gleichberechtigten Platz neben tatsächlich existierenden Tieren und Pflanzen, wurde über Fabelwesen mit dem gleichen Wahrheitsanspruch berichtet wie über die tatsächlich zu beobachtende Fauna. Das zeigt sich besonders deutlich im "Buch der Natur" des Geistlichen Konrad von Megenberg: Als er um die Mitte des 14. Jahrhunderts das etwa 100 Jahre ältere "Liber de natura rerum" des flämischen Dominikaners Thomas von Cantimpré ins Deutsche übertrug, betrat er – wissenschaftshistorisch gesehen – Neuland. Zum ersten Mal war es nun nicht nur lateinisch gebildeten Kreisen möglich, in einem einzigen Buch das gesamte zeitgenössische Wissen über den Kosmos, die Erde und alle ihre Geschöpfe aus Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt nachzulesen, ohne auf die Vermittlung lateinkundiger Kleriker angewiesen zu sein. Das Buch wurde, wie schon die Verbreitung der Handschriften zeigt, ein Erfolg, und als 1475 der Augsburger Johann Bämler Konrads "Buch der Natur" zum ersten Mal im Druck herausbrachte, ging er kein verlegerisches Risiko ein: Das Interesse, das dieser Summe naturkundlichen Wissens entgegengebracht wurde, war immens.
Gelehrtes Naturkunde-Wissen wurde dem Laienpublikum mit diesem Buch aber nicht nur im Medium des volkssprachlichen Textes, sondern auch im Bild vermittelt: Das "Buch der Natur" ist eine Einheit aus Texten und Bildern: Anschauliche Illustrationen informieren, z.T. über den Text hinausgehend, über Naturphänomene, über Tiere und Pflanzen, über die monströsen Lebewesen an den Grenzen der Welt, aber auch über die praktische, vor allem medizinische Anwendung von Kräutern und Nutzpflanzen.
In Kurzreferaten und Diskussionsbeiträgen soll über Inhalt und Aufbau dieses Buchs, das dahinterstehende Weltbild und seinen Ort im Kontext popularisierender Wissenschaft gesprochen werden.
Christian Hünemörder ist Professor für Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität Hamburg; Dr. Norbert Ott ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kommission für deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Eine Veranstaltung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen der Internationalen Frühjahrsbuchwoche

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