12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2001
Kurzinfo
Einführung
Autorinnen & Autoren
Gesprächspartner/innen
Veranstaltungskalender
Diskussionen/Vorträge
Lesungen und Gespräche
Musik/Kunst/Medien
Kinderprogramm
Filmprogramm
Impressum
Veranstalter
Presseschau
Archiv
Home
Mythos Wissenschaft
Podiumsdiskussion
Mit Valentin Braitenberg, Hans Peter Dürr, Julian Nida-Rümelin, Sigrid Weigel
Moderation: Gert Scobel
Am Sonntag, 11. März 2001, 11.00 Uhr
im Alten Rathaussaal, Marienplatz 15


Die Astronomie hat das Bild vom Universum als Widerspiegelung einer ewig gleichen göttlichen Ordnung zerschlagen. Darwin hat gezeigt, daß der Mensch nicht Krone der Schöpfung, sondern marginaler Teil einer Jahrmillionen alten Reihe von Lebewesen ist, die die Evolution absichtslos hervorgebracht hat. Diese "große Kränkung" durch die Wissenschaft hat unser Welt- und Selbstverständnis grundlegend verändert – und zugleich die Wissenschaft zum neuen Hoffnungsträger für ein säkulares Glücksstreben erhoben. Ihr ist die Kompetenz zur Interpretation der Welt und zur Gestaltung der Zukunft zugewachsen.

Immer rasanter nähern sich einzelne Disziplinen dem Ziel an, die Natur im Sinne einer "zweiten Schöpfung" nahezu unbegrenzt zu korrigieren oder gar neu zu erschaffen . Das nährt Hoffnungen - und schürt neue Ängste: Deutlicher denn je zeigt sich das Janusgesicht der Wissenschaft als "Heilsbringer" und als "Dämon" – undurchschaubar und scheinbar unkontrollierbar. Spätestens seit dem vielzitierten "Quantensprung" in der Physik und dem Siegeszug von Bio-und Nanotechnologie bewegen sich die Naturwissenschaften in hochabstrakten und komplexen Erkenntnisdimensionen, die wir mit Alltagslogik oder Strategien eines "gesunden Menschenverstandes" schon lange nicht mehr begreifen können. "Wir sind allesamt Proselyten der Wissenschaft", schrieb Peter Hoeg. "Doch im Gegensatz zu den Anhängern anderer Religionen läßt sich der Abstand zwischen uns und den Priestern nicht mehr überbrücken."

Dennoch: Der öffentliche Status der Naturwissenschaften hat sich verändert. Ziele und Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung finden wachsendes Interesse beim Publikum, das wiederum als öffentliche Meinung Einfluß auf den Wissenschafts-betrieb nimmt. Dieses Interesse wächst nicht ohne Zutun der scientific community, die sich mehr und mehr um Vermittlung ihres Tuns bemüht. Ist diese "Öffnung" Ausdruck für Dialogbereitschaft, für die Suche nach Orientierung durch Einbettung in gesellschaftliche Zusammenhänge? Oder dient sie vorwiegend der Zementierung der wissenschaftlichen Deutungsmacht, der Selbstdarstellung der Disziplinen, die auch aus wirtschaftlichem Kalkül an positiver Resonanz interessiert sind? Kurz: kreiert die Wissenschaft selbst ihren Mythos in der Gesellschaft?

Es diskutieren: Valentin Braitenberg, Professor für biologische Kybernetik; Prof.
Hans Peter Dürr, Physiker und Träger des Alternativen Nobelpreises; Prof. Julian
Nida-Rümelin, Philosoph und Staatsminister für Kultur; Sigrid Weigel, Professorin für Literaturwissenschaft an der TU Berlin, und Prof. Eckart Wolf, Leiter des Genzentrums
der Uni München. Die Gesprächsleitung hat Gert Scobel, Moderator und Redakteur von "Kulturzeit" in 3Sat


Karten zu DM 12.-/erm. DM 10.- über München Ticket, Tel 54 81 81 81 (zuzügl. Vorverkaufsgebühr) und Tageskasse

In Zusammenarbeit mit dem Stadtforum


Internationale Frühjahrsbuchwoche München Landeshauptstadt München Kulturreferat medienforum münchen