12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2001
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Vortrag/Gespräch

Fiction in Science
Fiktive Elemente in der Naturwissenschaft
Mit Ernst Peter Fischer und Sigrid Weigel
Am Samstag, 10. März, 17.00 Uhr, im Literaturhaus

Wenn die Wissenschaft verstanden (und nicht nur erklärt) werden will, gehört sie ins Feuilleton. Wenn Wissenschaft ins Feuilleton will, darf sie nicht nur zählen und messen, sondern muß erzählen und deuten. Sie kann das längst, und das "Abenteuer Wissenschaft" kennt die dazugehörigen Abenteuergeschichten. Sie erzählen zum Beispiel von Schwarzen Löchern, spukhaften Fernwirkungen, interpretationsfreudigen Genen und dem Buch des Lebens, das es zu edieren gilt. So wie Literaturwissenschaftler gesammelte Werke herausgeben, werden Naturwissenschaftler gesammelte Genome herausgeben und immer mehr fiktive Elemente in ihre Kultur einführen. Je mehr solcher Elemente sie enthält, desto besser wird sie verstanden (und akzeptiert).
Die Naturwissenschaften stecken schon jetzt voller poetischer Potentiale. Einige ihre besten Einsichten lernen wir als Erzählungen kennen, in denen Meistergene Befehle erteilen und Zwillinge unterschiedlich altern. Mindestens ein zentraler Prozeß der Biologie – die Entwicklung eines Lebewesens aus einem Ei – ist nur im Vergleich zur kreativen Kunst erfaßbar, und die modernen Theorien des Kosmos führen Dimensionen ein, die keinem Experiment mehr zugänglich sind. Sie beweisen sich vornehmlich durch die Qualität ihrer literarischen Form. In diesem Prozeß steckt im übrigen ein Versprechen: Eine Einheit des Wissens ist möglich – als wahrnehmbare Form.
Die exakte Wissenschaft der Zukunft wird ihren längst fiktiven Anspruch auf Objektivität vergessen und mehr den Kräften der Illusion vertrauen. "Man vergaß, daß Wissenschaft sich aus Poesie entwickelt habe, man bedachte nicht, daß nach einem Umschwung von Zeiten, beide sich wieder freundlich, zu beiderseitigem Vorteil, auf höherer Stelle, gar wieder begegnen könnten" (Goethe).
Ernst Peter Fischer

Die Referenten:
Ernst Peter Fischer ist promovierter Biologe und und habilitierter Wissenschaftshistoriker, er lehrt an der Universität Konstanz. Publikationen u.a.: "Die aufschimmernde Nachtseite der Wissenschaft" (Libelle Verlag 1995), "Das Schöne und das Biest. Ästhetische Momente in der Wissenschaft". (Piper 1997)
Die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel war 1998-2000 Direktorin des Einstein Forums Potsdam und ist seit 1999 Direktorin des Zentrums für Literaturforschung (Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin) und Professorin an der TU Berlin. Publikationen u.a.: "Lesbarkeit der Kultur. Literaturwissenschaft zwischen Kulturtechnik und Ethnographie" (gem. mit Gerhard Neumann,W. Fink 2000), "Genealogie und Genetik" (HG. erscheint Berlin 2001).

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