12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2001
Kurzinfo
Einführung
Autorinnen & Autoren
Gesprächspartner/innen
Veranstaltungskalender
Diskussionen/Vorträge
Lesungen und Gespräche
Musik/Kunst/Medien
Kinderprogramm
Filmprogramm
Impressum
Veranstalter
Presseschau
Archiv
Home
Frühe Expeditionen im Cyberspace
zu Herbert W. Franke
von Bernd Flessner


Fällt in einem Gespräch der Name Herbert W. Franke, so wird man oft mit verschiedenen Zuordnungen konfrontiert: Der Höhlenforscher. Der Computerkünstler. Der Medienphilosoph. Der Naturwissenschaftler. Der Science-Fiction-Autor.
Kaum jemand ist in so vielen und so unterschiedlichen Bereichen so namhaft wie der bei München lebende gebürtige Wiener, für den die 1959 von Charles P. Snow aufgestellte These von den zwei Kulturen keine Gültigkeit zu haben scheint. Diskutiert hat der promovierte Physiker Snows These indes in vielen seiner Werke, insbesondere in dem 1978 erschienen Band "Kunst kontra Technik? Wechselwirkungen zwischen Kunst, Naturwissenschaft und Technik". Franke kommt darin zum Schluss, dass die Kluft zwischen den beiden Kulturen, sofern sie wirklich existiert, überwunden werden kann, nicht zuletzt dank der Erfindung des Computers. Ohnehin sieht er in Snows These eher ein historisches, denn ein prinzipielles Problem: "Vielleicht ist die Trennung dieser beiden Bereiche das Zeichen einer primitiven Phase unserer Entwicklung."
Franke, den die ZEIT schlicht "den prominentesten deutsch schreibenden SF-Autor" nennt, hat in seinem umfangreichen schriftstellerischen Werk immer wieder die Möglichkeiten "unserer Entwicklung" thematisiert. Hierbei hat er Chancen ebenso ausgelotet wie Gefahren, Utopien wie Dystopien. Als einer der ersten SF-Autoren - und noch vor seinem polnischen Kollegen Stanislaw Lem - hat sich Franke detailliert mit virtuellen Realitäten aus dem Computer befasst. Vor allem in seinem 1961 erschienen Roman "Der Orchideenkäfig" führt er die Entwicklung einer Zivilisation vor Augen, die sich uneingeschränkt auf die Optionen synthetischer Wirklichkeiten eingelassen hat. Als William Gibson, der Erfinder des Begriffs "Cyberspace", gerade einmal 13 Jahre alt war, entsandte Franke bereits seine Helden in jenen nur im Rechner und in Datennetzen existierenden Raum. Ihrer Zeit in den 60er Jahren weit voraus, haben heute seine Erzählungen und Romane, auf "Das Gedankennetz" (Suhrkamp 1961) und "Ypsilon Minus" (Suhrkamp 1976) sei hier besonders hingewiesen, nichts von ihren inhaltlichen und ästhetischen Qualitäten und nichts von ihrem Spannungsgehalt eingebüßt. Die Gründe für diese Aktualität liegen nicht nur in Frankes nüchternen und klaren Stil, sondern auch in der naturwissenschaftlichen Fundiertheit seiner Gedankenspiele, die sich nie im phantastischen Niemandsland verlieren. Seine Helden, wie etwa jene im "Orchideenkäfig", sind keine trivialen Spaceheros amerikanischen Zuschnitts, sondern zumeist Erfahrungssammler, deren Erkenntnisse nicht nur sie selbst verändern, sondern auch den Leser mit Zukünften und Welten konfrontieren, die er nicht ignorieren kann.

Lesung und Gespräch mit Herbert W. Franke und Carl Amery am 11. März im Ruffini; Moderation: Bernd Flessner. Teilnahme des Autors an der Podiumsdiskussion "Odyssee 2001" am 17. März im Gasteig.



Website: www.zi.biologie.uni-muenchen.de/~franke
Internationale Frühjahrsbuchwoche München Landeshauptstadt München Kulturreferat medienforum münchen