12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
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Foto SlawigMachos im Weltraum
zu Barbara Slawig
von Sylvia Schütz


"Manche Bücher lassen sich nur schwer in eine Schublade packen. "Die lebenden Steine von Jargus" (Haffmans Verlag 2000) ist spannende Science Fiction, Kriminalroman, feinsinnige Charakterstudie, Wissenschafts- und Gesellschaftskritik. Vor allem aber läßt sich eines sagen: Wie schön, daß es dieses Buch gibt!" schreibt eine Rezensentin über den ersten Roman von Barbara Slawig. Hinzufügen möchte man: Auch die Autorin mit ihrem eigenwilligen Werdegang ist nicht in eine Schublade zu packen. Als kleines Mädchen las Barbara Slawig, 1956 in Braunschweig geboren, am liebsten Detektivgeschichten und dachte sich selber welche aus. Dann studierte sie Biologie, arbeitete am wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin und promovierte. Schon während ihrer wissenschaftlichen Arbeit hatte sie angefangen, die Meditations- und Kampfkunst Tai-Chi-Chuan zu erlernen und sich mit chinesischer Medizin und Naturphilosophie auseinanderzusetzen. Wachsende Unzufriedenheit mit den Methoden ihrer eigenen Forschungsarbeit bewog sie, die wissenschaftliche Karriere sausen zu lassen. Angeregt von der Lektüre Stanislaw Lems, Isaac Asimovs und Ursula K. LeGuins (der wohl wichtigsten und prägendsten SF-Schriftstellerin seit den 60er Jahren), begab sie sich auf ungesichertes Terrain: das Schreiben. Sie veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten, legte im vergangenen Jahr ihren ersten Roman vor und gilt inzwischen als eines der großen neuen Talente der SF-Literatur.
Schreibt Barbara Slawig weiblichen Science Fiction? Mit Jeanne Andrejew, Navigatorin auf einem Blockadebrecher und Deserteurin, hat sie zweifelsohne eine starke Heldin geschaffen. Keine barbyblonde Barbarella, die einer prüden Galaxis die sexuelle Revolution lehrt, eher eine zähe Kämpfernatur wie Ellen Ripley, alias Sigourney Weaver. Verschwitztes T-Shirt statt glitzernder futuristischer Raumanzug, durchtrainierte Muskeln statt roter Schmollmund. Doch im Unterschied zu Ripley sind die Aliens, gegen die Jeanne Andrejew antreten muß, keine außerirdische Spezies, sondern Artgenossen – die Männer. In der Beziehung hat sich nämlich in Slawigs zukünftiger Welt nichts geändert: gewalttätiges Verhalten und sexuelle Übergriffe sind auf dem von Militärs kontrollierten Planeten Jargus an der Tagesordnung.
Barbara Slawig geht es – wie vielen guten SF-Autoren - nicht um Prophezeiungen, um den Entwurf wahrscheinlicher Zukunftsszenarien. Es sind die Zustände, die Ängste und Wünsche der gegenwärtigen Gesellschaft, die ihr äußerst spannender und phantasievoller Roman ausleuchtet. Slawig stellt ihrem Roman ein Zitat des amerikanischen SF-Autors Philip K. Dick voran, in dem dieser die "Unfähigkeit, das heikle und komplexe Verhältnis der Geschlechter zu erforschen" als größte Schwäche der Science Fiction beklagt. Spätestens nach der Lektüre der "Lebenden Steine von Jargus" weiß man, daß dieser Satz nicht mehr stimmt. Man weiß aber auch, daß sich Barbara Slawig nicht in eine neue, wie auch immer geartete "weibliche" SF-Schublade stecken läßt.

Lesung mit Barbara Slawig und Marcus Hammerschmitt am 16. März bei der Space Night in der lothringer13

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