12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
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Foto SinghMathematiker wie du und ich
zu Simon Singh
von Albrecht Beutelspacher


Mathematik ist die langweiligste, vertrocknetste und abgehobenste Wissenschaft überhaupt, befindet so mancher schulgeschädigte Zeitgenosse und vermeidet es konsequent, sich damit zu beschäftigen. Tatsache aber ist das Gegenteil: Mathematik ist eine spannende, moderne Wissenschaft, ohne die die meisten Errungenschaften des heutigen Lebens nicht funktionieren würden: keine CD, kein Handy, keine Wettervorhersage wären ohne Mathematik möglich.
Diese Erkenntnis hat in den letzten Jahren keiner so erfolgreich unter die Leute gebracht wie der 1964 geborene englische Physiker und Wissenschaftsjournalist Simon Singh. Er eröffnet uns die Mathematik als ein Reich geistiger Abenteuer und realer Abenteurer. Er bringt uns nahe, welche Faszination in der Erforschung der Grenzen des Denkens liegt. Er zeigt die Verflechtung praktischer Anwendungen mit grundlegenden Überlegungen auf. Und er stellt uns die Mathematiker vor: Menschen mit Ideen und Idealen, mit Spleens und Ticks, mit unglaublichen Erfolgen und bittersten Niederlagen.
Singhs erstes Buch "Fermats letzter Satz" war ein Knüller (Hanser 1998). Das Thema ist die Frage, ob es positive ganze Zahlen x, y, z gibt, die eine Lösung der Gleichung xn + yn = zn für n > 2 sind. Dieses Problem hat die Mathematiker seit 350 Jahren fasziniert. Als Andrew Wiles im Jahre 1994 nach siebenjähriger einsamer Forschung verkündete, dass er das Problem gelöst habe, gerieten die Mathematiker in helle Aufregung.
Simon Singh schildert in seinem von der ersten bis zur letzten Seite spannenden Buch die Geschichte dieses Problems. Es beginnt mit Pythagoras ca. 500 v. Chr., es ist die Klammer, mit der viele Gebiete der Mathematik zusammengehalten werden und hat vielen Mathematikern unglaubliche Einsichten ermöglicht. Es ist eine Geschichte, die keine Anwendungen hat: Kein Computer wird dadurch schneller, kein Code sicherer, kein Wasser sauberer – und trotzdem: es ist eine Geschichte, deren Sog man sich kaum entziehen kann!
Singhs zweites Buch, ein Bestseller wie das erste, heißt "Geheime Botschaften" (Hanser 2000, aus dem Englischen von Klaus Fritz) und behandelt ein ausgesprochen angewandtes Thema, nämlich die Kryptographie, die Wissenschaft von den Geheimcodes. Viele High-Tech-Produkte hängen unmittelbar von ihr ab: Keine Scheckkarte, kein Handy, keine Wegfahrsperre würde ohne Kryptographie sicher funktionieren. Und die Kryptographen bekommen leuchtende Augen, wenn sie sich bewusst machen, dass Bezahlvorgänge im Internet nur mit den besten kryptographischen Verfahren realisiert werden können.
Simon Singh hat die Chance genützt, mit vielen lebenden Akteuren der Kryptographie sprechen. Diese Authentizität überträgt sich unmittelbar auf die Leser. Singh schafft eine meisterliche, unaufgeregte, aber nie langweilige Balance zwischen historischem Hintergrund, technischer Information und der Darstellung wichtiger Konzepte. Ob Singh von Maria Stuart oder Phil Zimmerman, von Alan Turing oder von den Primzahlen, von der Entschlüsselung der Hieroglyphen oder der Quantenkryptographie erzählt – stets ist man als Leser gefangen von den Geschichten und Schicksalen, und stets werden einem, ohne dass man dies bewusst merkt, Konzepte und Einsichten vermittelt.
Simon Singh gelingt in seinen Bücher etwas Erstaunliches: Der Leser findet darin nicht nur das, was ihn interessiert, vielleicht schon immer interessiert hat. Er findet vor allem vieles, von dem er gar nicht ahnte, dass es ihn interessiert.

Lesung/Vortrag des Autors und Gespräch mit Albrecht Beutelspacher am 14. März in der Seidlvilla

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