12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
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Foto MawerDruckfehler des Lebens
zu Simon Mawer
von Volker Isfort

Der Genetiker Benedict Lambert hat es geschafft: Er thront auf einer gewundenen DNA-Leiter aus Kunststoff im Scheinwerferlicht des BBC-Fernsehstudios genau auf dem Adenin-Thymin-Basenpaar, das er selbst lokalisiert hat - es verursacht Zwergenwuchs. Ein glänzender wissenschaftlicher Erfolg, der Lambert selbst indes nicht hilft. Denn der geniale Wissenschaftler und Ururenkel von Gregor Mendel, dem Begründer der modernen Vererbungslehre, sitzt in einem "Gefängnis aus Fleisch und Fett und Knorpel". Er hat in der Lotterie der Vererbung kein Glück gehabt, er ist ein Zwerg.
Der britische Naturwissenschaftler und Schriftsteller Simon Mawer hat mit "Mendels Zwerg" (Goldmann 1997, aus dem Englischen von Sebastian Vogel) eine Romanfigur von tragischer Größe geschaffen, die man nicht mehr vergessen wird. Körperlich bestraft von der "bösen Hand der Mutation", schützt sich der Ich-Erzähler Lambert durch eine Mauer beißender Ironie vor den täglichen Demütigungen des Lebens. Denn der nur 1,27 Meter große Benedict Lambert ist ein Mensch mit normal entwickeltem Geschlechtsorgan und -trieb und überragender Intelligenz. Während er in einem Labor in den "Druckfehlern des Lebens" nach Bedeutung sucht, macht er die intime Bekanntschaft mit der verheirateten Bibliothekarin Jean. Die turbulente Beziehung eröffnet ihm schließlich sogar selbst die Möglichkeit, Gott zu spielen und über das Schicksal eines Lebens zu entscheiden.
Parallel zur abgründigen Dreiecksgeschichte entfaltet Simon Mawer die Biografie von Gregor Mendel, ein zu Lebzeiten verkanntes Genie, und reißt die Geschichte von dessen bahnbrechenden Forschungen auf. Mawers raffinierter Roman streift Eugenik und naturwissenschaftliche Irrpfade und dringt schließlich zu der entscheidenden Frage jenseits des von kommerziellen Interessen bestimmten Forschungsdrangs vor: Ist Gentechnologie die Ideologie des 21. Jahrhunderts? "Die alte Eugenik ging mit dem Dritten Reich zugrunde, aber damit kein Zweifel aufkommt: Die neue Eugenik begleitet uns. Sie liegt nicht irgendwo in der Zukunft, sie ist hier und jetzt", schärft Lambert seinen Kollegen ein. Gott würfelt nicht, aber die Wissenschaftler rühren schon mit dürftigsten Rezeptkenntnissen die Ursuppe des Lebens an. Es wird wohl nicht bei einem faden Nachgeschmack bleiben.
Mawers Genetikroman ist eine Warnung in schillerndsten Farben. Seine profunde Kenntnis der Materie, vor allem aber sein Wissen um die Stärken und Schwächen der menschlichen Natur machen diese trickreich konstruierte Geschichte zu einem Biologieunterricht der unterhaltsamsten Art.

Lesung des Autors und Gespräch mit Volker Isfort am 13.März in der Autorenbuchhandlung


Website: www.SimonMawer.com
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