12. Internationale Frühjahrsbuchwoche München
Maerz 2001
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Zeitreisen ins unbekannte Bayern
zu Carl Amery
von Bernd Flessner


In jenen Zeiten, in denen konservative Germanisten mit Vehemenz immer wieder versuchten, die Science Fiction per se als Trivialliteratur abzutun und somit strikt von der Hochliteratur abzugrenzen, zählte er zu den Autoren, die die Unsinnigkeit dieses Vorhabens deutlich vor Augen führten. Einerseits war Carl Amery, mit bürgerlichem Namen Christian Mayer, Mitglied der längst legendären "Gruppe 47" und Präsident des bundesdeutschen P.E.N.-Zentrums, andererseits verfasste er nicht nur gesellschaftskritische Romane und Essays, sondern auch Science Fiction. Die Literaturkritikerin Elisabeth Endres nannte den gebürtigen Münchner zu Recht "den Schöpfer einer intellektuell reizvollen, witzigen Spielform der Science Fiction".
Während jedoch andere Autoren des Genres oft das Weite suchten und zu meist im All fündig wurden, blieb Amery mit seinen literarischen Visionen gerne auf der Erde. Seine Dimension ist nicht der Raum, sondern die Zeit, die z.B. in "Das Königsprojekt" (List 1974) mit Hilfe einer von Leonardo da Vinci konstruierten Zeitmaschine beherrschbar ist. Auch in seinen anderen Romanen, etwa "An den Feuern der Leyermark" (Heyne 1979) oder "Die Wallfahrer" (Süddeutscher Verlag 1986) sind Zeit und Geschichte, im Form alternativer historischer Parallelwelten, zentrale Themen. Amery zeigt Bayern, wie es keiner kennt, weil er Bayern neu erfunden hat.
Das wohl bekannteste Werk des kritischen Katholiken und Vorreiters der Ökologie-Bewegung ist "Der Untergang der Stadt Passau" (1975). Mit präziser Sprache schildert Amery das Leben in einer zukünftigen, postkatastrophalen Welt. Ursache für den Tod eines Großteils der Menschheit ist eine Seuche, der die Wissenschaft nichts entgegenstellen konnte. Angesichts von Aids, BSE und der Rückkehr der nun gegen Antibiotika resistenten Tuberkulose hat dieser Roman nichts von seiner Wirkung verloren. "Die katholische Intellektualität", urteilt Elisabeth Endres, "macht die Lektüre zu einem Vergnügen."

Lesung und Gespräch mit Carl Amery und Herbert W. Franke am 11. März im Ruffini.
Moderation: Bernd Flessner

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