Auszug aus der Stadt?

Ein Vortrag von Florian Rötzer
Sonntag, 26. März, 19.00 Uhr, im Literaturhaus, Bibliothek
Eintritt frei

Der Cyberspace lagert sich mit seiner Infrastruktur, mit seinen Türen und Stützpunkten in die reale Welt ein, und zwar schneller, als wir uns das bislang vorstellen konnten. Der Trend ist eindeutig: mit der fortschreitenden Miniaturisierung der Technik steht die totale Vernetzung von allem und jedem an: vom intelligenten Haus mit seinen Geräten - wie vernetzten und intelligenten Kühlschränken oder Abfalleimern über Roboter und Autos - bis hin zu Tieren und Menschen. Microchips, Sensoren, Effektoren, Sender, Kabel oder Satelliten legen sich um die Erde wie eine zweite Haut und hüllen sie in eine gigantische Flut von zirkulierenden Daten ein. Städte, Regionen und Länder ebenso wie örtlich gebundene Institutionen suchen im Zuge der Globalisierung ihre Angebote attraktiver zu machen, um den Standort zu erhalten. Alles, was bislang von den Vorteilen der räumlichen Verdichtung und Zentralisierung profitiert hat, steht in Gefahr, langfristig an Bedeutung zu verlieren. Dabei spielt nicht nur die globale Konkurrenz eine Rolle, weil die Welt durch die schnellen Transportmittel kleiner geworden ist, sondern es sind vor allem natürlich die Computernetze, die die herkömmlichen räumlichen Hierarchien bedrohen. Immer mehr von den Handlungszusammenhängen, die bislang eine räumliche Konzentration bedingt und attraktiv gemacht haben, werden ganz oder teilweise in den Cyberspace übergehen oder von ihm radikal umgestaltet werden. Der Exodus des Handels, das Verschwinden der Läden und Banken, der Behörden und Büros, der Schulen und Universitäten, der Bibliotheken und Museen hat bereits eingesetzt und wird sich um so machtvoller fortsetzen, je breitbandiger die Netze werden, also je mehr Daten in kürzerer Zeit übertragen werden können.
Die Menschen werden zunehmend gleichzeitig zwei Welten bewohnen, die ineinander greifen und sich durchdringen, aber auch neue Konflikte und tiefreichende Veränderungen hervorbringen. Ein mögliches Szenario ist, dass sich räumliche Strukturen wie Städte als "Verdichtungs- und Beschleunigungsmaschinen" in den reichen, vernetzten Ländern auflösen werden und etwa den verstreuten Strukturen eines ortlosen "digitalen Urbanismus" mit seinen Zugängen zu den virtuellen Räumen Platz machen, während die "alten" Städte zu Behältern der aus der Gesellschaft Herausfallenden werden. Digitaler Urbanismus heißt, dass das Leben in Zukunft vorwiegend in dezentralen metropolitanen Landschaften stattfindet, in denen sich die herkömmliche Unterscheidung zwischen Stadt und Land noch weiter verwischt.

Im Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat/Medien, dem Medienforum München e.V., der Stiftung Literaturhaus und Telepolis, Magazin für Netzkultur

 

 

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