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Gross/Stadt/Utopien
Eine Reihe
im Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum am Jakobsplatz
Das Kino
ist ein Kind der Stadt. Die moderne Stadt und das Kino entstanden zur
gleichen Zeit. Und schon bald erschienen Visionen von futuristischen Städten
auf der Leinwand: der Science-fiction-Film entstand. Einer der ersten
war Metropolis. Inspiriert durch New York, schaffte Fritz
Lang eine Vision, die einem Alptraum gleichkommt und gleichzeitig die
moderne Architektur eines Le Corbusier kritisierte (der hatte 1922 ein
Modell für die Modernisierung von Paris entworfen, in der ein Großteil
des alten Paris zerstört werden sollte). So ist das Kino
des Utopischen ein Genre, das einerseits ein direktes Echo auf gesellschaftliche
Ideen und Wirklichkeiten vermittelt und das sich zugleich von den Begrenzungen
der Wirklichkeit entfernen und eine reine Kino-Welt erfinden kann. Nur
selten enthält Science-Fiction positive Utopien, meist spricht sie
vom Schrecken, den die Zukunft für uns bereithalten könnte,
vom Schrecken, der in unserer Gegenwart schon angelegt ist.
Der Produzent von Things to come, Alexander Korda, hatte dann
auch Le Corbusier und Fernand Leger für den Entwurf der futuristischen
Bauten vorgesehen, aber die Architekten lehnten ab. Tati kündigte
in Playtime eine Architektur an, die heute ganz aktuell ist:
Beton, Neonlampen, Plastik, Glastüren. Das kafkaeske Universum von
Brazil brauchte Terry Gilliam nicht zu konstruieren, er fand es in Marne-la
Vallée, und das Los Angelos in Blade Runner wirkt heimelig,
verglichen mit den Plänen, die ein Le Corbusier für Paris hatte.
Die Städteprojekte der Nationalsozialisten in Das Wort aus
Stein wurden größtenteils nicht realisiert und blieben
faschistische Vision. Ausnahme in dieser Reihe von Science-fiction-Filmen
bildet Die Potemkinsche Stadt: hier wurden Modelle verwirklicht,
die manches Horrorbild übertrafen.
Petra Maier-Schoen
ALPHAVILLE:
UN ETRANGE AVENTURE DE LEMMY CAUTION (LEMMY CAUTION GEGEN ALPHA 60)
F 1965 - R + B: Jean-Luc Godard - K: Raoul Coutard - D: Eddie Constantine,
Anna Karina, Akim Tamiroff, Howard Vernon, Laszlo Szabo - 93 min, OmU
Der mysteriöse Stadtstaat Alphaville wird von einem Computer namens
Alpha 60 regiert, der die Bewohner aller menschlichen Werte beraubt hat:
es gibt weder Vergangenheit noch Zukunft. Liebe, Trauer, Poesie und Gewissen
sind verboten. Wer die Gesetze nicht befolgt, hat sein Leben verwirkt.
Dem Geheimagenten Lemmy Caution gelingt es schließlich, die Maschine
zu vernichten. Chaos bricht aus, denn die Menschen müssen wieder
Menschen werden. Diese Horrorvision einer utopischen Stadt hat Godard
mit realen Versatzstücken aus dem Paris des Jahres 1965 montiert,
und sich so auch auf die damalige Gegenwart bezogen.
Mittwoch, 1. März, 21.15 Uhr
Donnerstag, 2. März, 21.15 Uhr
BRAZIL
GB 1984 - R : Terry Gilliam - B: Terry Gilliam, Tom Stoppard, Charles
McKewon - K: Roger Pratt - D: Jonathan Pryce, Robert De Niro, Michael
Palin, Kim Greist, Katherine Helmond - 142 min, OmU
In einem bizarren Überwachungsstaat der Zukunft gerät ein kleiner
Angestellter durch einen Tippfehler in Schwierigkeiten und lernt die monströse
Brutalität der Bürokratie kennen, deren Teil er ist. Die Geschichte
wird in einer Mischung aus surrealistischen Traumvisionen, rasanten Action-Turbulenzen
und bitterböser Satire erzählt. Als Grundmuster seiner Variationen
diente Gilliam George Orwells Roman 1984.
Freitag, 3. März, 20.30 Uhr
Samstag, 4. März, 20.30 Uhr
METROPOLIS
D 1927 - R: Fritz Lang - B: Thea von Harbou - K : Karl Freund, Günter
Rittau - D: Alfred Abel, Gustav Fröhlich, Brigitte Helm, Rudolf Klein-Rogge,
Fritz Rasp, Theodor Loos - 140 min - Am Flügel: Aljoscha Zimmermann
Ein früher Klassiker des Science-fiction-Films: eine Vision der Stadt
des Jahres 2000. Metropolis entstand aus meinem ersten Blick auf
die Wolkenkratzer New Yorks, im Oktober 1924, als die Ufa mich nach Hollywood
schickte ... Es herrschte damals eine schreckliche Hitze ...Und ich hatte
die Vorstellung, daß dies der Schmelztiegel vielfältiger und
wirrer menschlicher Kräfte war, die blind einander anstießen,
in dem unbezwingbaren Verlangen, sich gegenseitig auszubeuten, und so
in einer ständigen Angst lebten. Die Gebäude erschienen mir
wie ein vertikaler Vorhang, schimmernd und sehr leicht, ein üppiger
Bühnenhintergrund, an einem düsteren Himmel aufgehängt,
um zu blenden, zu zerstreuen und zu hypnotisieren ... Ich wußte,
daß ich über all diese Eindrücke einen Film machen mußte.
(Fritz Lang)
Sonntag, 5. März, 20.30 Uhr
THE FIFTH
ELEMENT (DAS FÜNFTE ELEMENT)
F 1997 - R: Luc Besson - B: Luc Besson, Robert Mark Kamen - K: Thierry
Arbogast - D: Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm, Milla Jovovich, Chris
Tucker - 124 min, OmU
Die in einem Frauenkörper wiedergeborene Inkarnation des Lebens (das
fünfte Element) trifft im 23. Jahrhundert auf einen New Yorker Lufttaxi-Fahrer,
dem es mit ihrer Hilfe gelingt, die Vernichtung der Erde durch das Böse
abzuwenden. Ein virtuos mit Filmzitaten gespickter Film, in dem New York
als eine in die Vierte Dimension übersteigerte Metropole erscheint.
Mittwoch, 8. März, 21.15 Uhr
Donnerstag, 9. März, 21.15 Uhr
PLAYTIME
(TATIS HERRLICHE ZEITEN)
F 1965 - R+B: Jacques Tati - K: Jean Badal, Andreas Winding - D: Jacques
Tati, Barbara Dennek, Jacqueline Lecomte, Henri Piccoli, Léon Doyen,
Reinhard Kolldehoff - 119 min, OF
Nach zehn Jahren in der Wüste kehrt Monsieur Hulot nach Paris zurück
und erkennt es kaum wieder. Die berühmten Pariser Sehenswürdigkeiten
sind nur noch Reflektionen in den Glastüren der zahlreichen Hochhäuser.
Der Eiffelturm oder der Arc de Triomphe sind nur noch Spiegelbilder, die
beim Öffnen und Schließen einer Glastür auftauchen. Das
alte Paris ist nur noch eine Spiegelung, ein Traum. Unsere futuristische
Welt verwandelt sich für Hulot schnell in ein infernalisches Labyrinth,
in dem dieser sanfte Träumer unwillentlich ein totales Chaos anrichtet.
Für den Film wurde außerhalb von Paris eine riesige Kulissenstadt
errichtet, die alles hatte, was zu einer richtigen Stadt gehört:
jedes Gebäude war mit einer Heizung ausgestattet, die Straßen
waren gepflastert, die Ampelanlagen funktionierten, zwei Elektrizitätswerke
produzierten Strom, der für eine Stadt von 15 000 Einwohnern ausgereicht
hätte. Nur die Wolkenkratzer hatten bewegliche Wände und Miniaturformat,
damit die Kameraarbeit erleichtert wurde.
Freitag, 10. März, 20.30 Uhr
Samstag 11. März, 20.30 Uhr
BIS ANS
ENDE DER WELT - DIE TRILOGIE
D/F/Australien 1991/97 - R: Wim Wenders - B: Wim Wenders, Peter Carey
- D: Solveig Dommartin, William Hurt, Sam Neill, Rüdiger Vogler,
Max von Sydow, Jeanne Moreau - 296 min, OF
Ein Science-Fiction-Film und ein Liebesfilm: Penelope wartet nicht zu
Hause, sondern folgt ihrem Odysseus bis ans Ende der Welt von Paris über
Lissabon und Berlin, Moskau und Peking nach Tokyo. Von einer Stadt
geht es zur nächsten, ohne daß die Städte selbst ein eigenes
Gesicht bekommen. Was man wohl als düsterste Vision nehmen sollte:
Peking sieht aus wie Paris und Berlin, die wiederum der Metropole in Ridley
Scotts Blade Runner ähneln. Eine städtische Aura entwickelt
allein noch Lissabon, da rollen noch Straßenbahnen gemächlich
vor sich hin. In Tokyo dagegen dominiert der pure Wahnwitz und San Francisco
ist zur Gangsterstadt verkommen. Daß die Differenz der Mentalitäten
ausgelöscht zu sein scheint, ist ein schwarze Prognose, eine Noir-Fantasie.
(Norbert Grob)
Sonntag, 12. März, 18 Uhr
BLADE
RUNNER
USA 1982 - R: Ridley Scott - B: Hampton Fancer, David People, nach einem
Roman von Philip K.Dick - K: Jordan Cronenwerth - D: Harrison Ford , Rutger
Hauer, Sean Young , Daryl Hannah - 117 min, OmU (Directors Cut)
Los Angeles 2019, ein düsterer Großstadtmoloch: Wolkenkratzer
mit 400 Stockwerken ragen in den Himmel; dazwischen schweben Gleiter,
die Personen befördern und die Bewohner unablässig mit Neonwerbung
bombardieren; Häuserreihen sind zu gigantischen Videoschirmen umfunktioniert
worden. Um der Überbevölkerung Herr zu werden, versucht man
die Menschen zum Auswandern auf andere Planeten zu bewegen. Vor dieser
Kulisse spielt die Geschichte des Blade Runner, eines Spezialdetektivs,
der vier künstliche Menschen unschädlich machen soll, die sich
aber als menschlicher erweisen als die Menschen in dieser Stadt.
Dienstag, 14. März, 21.15 Uhr
Mittwoch, 15.März, 21.15 Uhr
DAS WORT
AUS STEIN
D 1939 - R: Karl Rupli -18 min
NS-Propaganda-Film über die Neugestaltung deutscher Städte.
Die bereits realisierten und geplanten Projekte der nationalsozialistischen
Architekten aus den Städten Berlin, München, Augsburg und vom
Chiemsee, wo die monströse Hohe Schule der NSDAP gebaut werden sollte.
BRUTALITÄT IN STEIN
BRD 1960 - R: Alexander Kluge - B: Alexander Kluge, Peter Schamoni - K:
Wolf Wirth - 12 min
Relikte nazistischer Architektur, die längst durch häufigen
Anblick verbiedert worden sind, werden von einer aggressiven Kamera in
ihrem ursprünglichen Charakter wiederhergestellt und durch die Kombination
mit Tondokumenten der NS-Zeit entlarvt.
DIE POTEMKISCHE STADT
BRD 1988 - R + B: Mischka Popp, Thomas Bergmann - K: Jaques Stein, Bernd
Mosblech - 90 min
Der Titel spielt auf die berühmten Potemkinschen Dörfer an,
die der russischen Zarin Katharina II. mit Häuserattrappen Wohlstand
vorgaukeln sollten, wo Elend herrschte. Dieser Filmessay über Leben
und Überleben in den Trabantenstädten der Moderne führt
vom größten schwarzen Großstadtghetto Europas bei Amsterdam
über Madrid und Paris in die Betonmonstren des Märkischen Viertels
in Berlin und in die bereits wieder abgerissene Metastadt Wulfen im Ruhrgebiet.
Ein trister Bilderbogen von Verfall, Zerstörung und Verelendung.
Donnerstag, 16. März, 19 Uhr
HIGH
TREASON
GB 1928 - R: Maurice Elvey - B: LEstrange Fawcett, nach einem Theaterstück
von Noel Pemberton-Billing - D: Jameson Thomas, Benita Hume, Basil Gill,
75 min, OF
Ein Science-Fiction-Film, der den Zweiten Weltkrieg für das Jahr
1950 voraussieht: die Vereinigten Staaten von Amerika bekämpfen die
Vereinigten Staaten von Europa. Die grandiosen Dekors - u.a. sieht man
auch den schon damals erträumten Tunnel unter dem Ärmelkanal,
der Frankreich und England verbindet - zeigen ein futuristisches London
à la Metropolis. Eine Metropolis-Kritik und -Parodie
gleichermaßen.
Donnerstag, 16. März, 21.15 Uhr
THINGS
TO COME (WAS KOMMEN WIRD)
GB 1936 - R: William Cameron Menzies - B: William Cameron Menzies, H.G.
Wells - K: George Perenal - D: Raymond Massey, Edward Chapman, Ralph Richardson,
Margaretta Scott - 113 min, OF
Zukunftsvision aus dem Jahre 1936: 1940 bricht der Zweite Weltkrieg aus,
der 26 Jahre dauern wird. Die Menschen leben seit dem Einsatz von Giftgasbomben
wie Ratten in den Ruinen von Everytown. 2036 ist aus Everytown eine hochzivilisierte
Stadt geworden, in der man den Start einer Rakete zum Mond plant.
H.G. Wells hatte im Jahr 1927 Fritz Langs Metropolis verrissen
und als Dummheit, Klischee, Plattheit über technischen Fortschritt
bezeichnet. Als Vertreter einer positivistischen, technokratisch-sozialistischen
Utopie ist er einer der wenigen Autoren von Science-Fiction-Filmen, der
eine optimistische Zukunftsvision entworfen hat.
Freitag, 17. März, 18.00 Uhr
Samstag, 18. März, 18 Uhr
AKIRA
Japan 1987 - R + B: Katsuhiro Otomo - 124 min, DF
Animationsthriller. Tokyo ist 1988 von einer mysteriösen Explosion
zerstört worden. 2019, 31 Jahre nach dem Dritten Weltkrieg, ist Neo-Tokyo
ein riesiger Metropolen-Moloch im Zustande der Verelendung und Zerstörung:
Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Anarchie, Terrorismus Ein geheimes
militärisches Projekt bringt die Stadt in finale Gefahr. Der Film
findet seinen Genre-Platz zwischen Scotts Blade Runner und
Kubricks 2001: urbane Dystopie (eine schlechte, fehlgeschlagene
Utopie) und die notwendigen, verzweifelten Konsequenzen, damit die Menschheit
im Kosmos überleben kann.
Dienstag, 21. März, 21.15 Uhr
Mittwoch, 22. März, 21.15 Uhr
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