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Stadtwelten
Diskussion
mit Nik Cohn (New York), Ping-kwan
Leung (Hongkong), Ignácio de
Loyola Brandão (São Paulo)
Moderation: John-David Morley
(in englischer Sprache)
Donnerstag, 16. März, 21.00 Uhr, in der Werkbar/Kunstpark Ost
Nik Cohn
wollte eine Weltreise machen, blieb aber am Broadway hängen und schrieb
Das Herz der Welt. Dreimal am Broadway zwischen der 40sten
und der 50sten Straße auf und abgegangen, so der Wahlamerikaner
Cohn, und schon hatte er den Stoff für seinen Weltreiseroman. Menschen
in Not stehen im Mittelpunkt von Cohns Stadtbeschreibungen. (Need
heißt sein neuer Roman Manhattan Babylon im Original.)
Und alle Bewohner dieses Stadtmolochs Manhattan, dem ein babylonisches
Pech-und-Schwefel Ende unmittelbar droht, haben ein gemeinsames Bedürfnis:
Sie wollen überleben.
Ob sie in der von Ignácio de Loyola Brandão in den Romanen
Null und Kein Land wie dieses skizzierten Welt
überleben wollen oder können - das ist die Frage, die den sozial
engagierten brasilianischen Schriftsteller umtreibt. Man nennt sein düsteres
Gemälde von der 60-Millionenstadt Sao Paulo, umgeben von einer ökologischen
Wüste, eine Horrorvision der Zukunft, aber für den Autor ist
es Brasiliens unzumutbare Gegenwart. Anders als die Notlage der von Cohn
durchaus liebevoll geschilderten Bewohner New Yorks, allesamt Has-beens,
Drop-outs, Individualisten, Exzentriker, die er bezeichnenderweise in
einem Zoo zusammenführt, droht der größten Stadt Brasiliens
nach Brandaos zornig-sarkastischen Schilderung weniger ein moralischer
Kollaps als ein Infarkt als Konsequenz des von Menschen betriebenen Raubbaus
an der Umwelt.
Weniger dramatisch, aber in der Grundansicht vergleichbar, zeichnet der
Chinese Leung Ping-kwan sein Verhältnis zu dem Lebenskomplex Stadt.
Er sieht die Stadt als Indikator von Vergänglichkeit, Menschen, aber
auch Gebäude und Straßen, in ihrem Werden, Verändern und
Vergehen als Zeugnisse der Zeit. Besonders an zwei politisch aktuellen
Beispielen hat er jüngst seinen Blick für den Wandel eines Stadtbilds
vertiefen können: an Hongkong und Macao. Wo kamen diese Städte
her? Wo gehen sie hin? In seinen Gedichten sucht Ping-kwan Leung nach
Einsichten in das Potpourri Stadt vor allem durch eigenwillige Gleichnisse
aus der Gastronomie.
Die Autoren Cohn und Brandão möchte man auch nach ihren Gleichnissen
fragen. Was können sie etwa aus dem Eintopf New York oder São
Paulo an Einzelgeschmäckern filtern, die uns nicht bekannt sind?
Glauben sie, wie Ping-kwan, daß die Schnelligkeit und die Allgegenwart
des städtischen Wandels dazu führt, daß die Städte
immer mehr von ihrer Einzigartigkeit verlieren? Was hält seinerseits
der Chinese von der Ansicht, daß die Stadt zum Inbegriff für
einen wie auch immer gearteten Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung
steht? Und woran könnte es liegen, daß für die Literatur
Asiens - wenn wir uns nicht täuschen - das von westlichen Autoren
favorisierte Thema Stadtuntergang = Weltuntergang keine vergleichbare
Rolle spielt?
Von einem Gespräch mit den Autoren aus New York, Sao Paulo und Hongkong
dürfen wir uns Antworten auf diese und viele weiteren Fragen erwarten.
John-David Morley
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