Tatort Stadt
Der Stoff, aus dem die Krimis sind

Gespräch mit Pieke Biermann (Berlin), Mo Hayder (London),
Alexandra Marinina (Moskau)
Moderation: Sigrid Menzinger
(engl. und russ. mit Simultanübersetzung)
Freitag, 17. März, 21.00 Uhr, Literaturhaus

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, aber eines verbindet sie: Die Russin Alexandra Marinina, die Berlinerin Pieke Biermann und Mo Hayder aus London schreiben Krimis. Bei uns immer noch eine eher verachtete Literaturgattung, im Angelsächsischen hingegen weitverbreitet und mit einer großen Tradition, in Russland noch ganz am Anfang, Denn solange es die Sowjetunion gab, in der Kriminalität offiziell nicht vorkam, hätte man ja höchstens über die Verbrechen des KGB schreiben können, und das war keineswegs opportun. Unterdessen weiß man auch und vor allem in Moskau um die Missetaten und Morde der alten Seilschaften und der neuen Mafia. Und die Marinina schreibt darüber: aus der Sicht einer promovierten Juristin, die im wirklichen Leben zwanzig Jahre lang im Juristischen Institut des Moskauer Innenministeriums gearbeitet hat. Pieke Biermann ist unter den dreien vergleichsweise der alte Hase: Sie hat seit 1987 bereits fünf Bücher veröffentlicht, zuletzt den Erzählband „Berlin. Kabbala“. Und ihre Kriminalgeschichten zeichnen sich dadurch aus, daß sie dem keinem Klischee entsprechen: kein „whodunnit“, kein gerissener Mörder und noch schlauerer Inspektor, kein Gutes-siegt-über-das-Böse. Mo Hayder schließlich ist mit ihren knapp dreißig Jahren die Jüngste und mit ihrem Debutroman „Der Vogelmann“ der ‚shooting star’ unter den Krimiautorinnen Großbritanniens.
Alle drei jedoch schreiben über die Stadt – ihre Stadt. Denn auch wenn Verbrechen und Morde genauso in der Kleinstadt und auf dem Land passieren - diese drei Autorinnen gewinnen Stoff und Inspiration ganz eindeutig aus dem Umfeld „ihrer“ jeweiligen Metropole.
Wäre, was sie schreiben, ohne den - gut recherchierten und selbst erlebten - Hintergrund von London, Berlin und Moskau überhaupt denkbar? Und: Wieviel „gilt“ der Kriminalroman im jeweiligen Land, und noch dazu, wenn er von Frauen geschrieben ist? Ist die große englische Tradition mit ihren glänzenden Namen eine Last für die junge Journalistin Mo Hayder? Wie entwickelte sich die Juristin Marinina zur Schriftstellerin, und wie reagiert die Öffentlichkeit in Rußland auf dieses neue Genre Kriminalliteratur? Und wie kam Pieke Biermann, die sich ihr halbes Leben für die Rechte der Prostituierten eingesetzt hat, dazu, diese so unverkennbar berlinerisch-schnoddrige Großstadtliteratur zu verfassen? Das alles dürfte spannender Gesprächsstoff sein für die drei Autorinnen und ihr Publikum.

Sigrid Menzinger

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Literaturhaus

 

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