Brennpunkt Stadt:
Die Stadt als Kriegsschauplatz und politische Schaltzentrale

Podiumsdiskussion mit Bogdan Bogdanovic (Belgrad/Wien), Elias Khoury (Beirut), Robert McLiam Wilson (Belfast)
Moderation: Richard Chaim Schneider
(engl. mit Simultanübersetzung)
Montag, 20. März, 21.00 Uhr, im Literaturhaus

Beirut, Belfast, Belgrad - drei Städte voller Konflikte, kriegerischer Auseinandersetzungen, Zerstörung und Machtkämpfe. Drei Städte, deren Antlitz längst durch die sie bestimmenden Konflikte geprägt ist: zerfetzte Leiber, zerbombte Häuser, zerrissene Straßen und Nachbarschaften.
Die Menschen in diesen Städten sind zugleich Statisten und Akteure einer tödlichen Brutalität, die von unsichtbaren Schaltzentralen aus gesteuert wird. Macht und Ohnmacht der menschlichen Kreatur wird nirgends so sichtbar wie in diesen Städten, die nur drei Beispiele von vielen sind.
Mit den Autoren Bogdan Bogdanovic, Elias Khoury und Robert McLiam Wilson soll die Wechselwirkung von Kriegsschauplatz und Literatur befragt werden. Wie Schreiben inmitten solch materialisierter Verwüstung, die immer auch eine Verwüstung der Seele, der Zivilisation bedeutet? Gewinnt das Leben in solchen Städten ungeahnte existentielle Tiefe, die auf die Literatur wirkt, oder anders gefragt: Kann Literatur heute, am Beginn des neuen Jahrhunderts, angesichts des bereits bewiesenen Zerstörungspotentials des Menschen, an solchen urbanen Kriegsschauplätzen noch gedeihen? Die eigenwillige Ästhetik architektonischer Zerstörung in diesen Städten kann, ja, muß einen unmittelbaren Einfluß auf die Literatur nehmen, die hinter unsicheren Mauern entsteht. Mißtrauen und Anarchie, das Gesetz des Asphalt-Dschungels greift mit aller Gewalt in das banale Alltagsschicksal jedes einzelnen Stadtmenschen ein. Ist das der Stoff, aus dem die Literatur von heute wächst? Und: Hat die Literatur in solchen Zentren kathartische, gar tröstende Funktion? Ist die Sehnsucht nach Liebe und Nähe in existentieller Not ein Movens, das die politischen Machtzentralen aus den Angeln heben könnte? Kann die Literatur in solchen Städten etwas ausrichten oder ist sie angesichts der Realität von Beirut, Belfast und Belgrad im Grunde überflüssig und müßte im besten Fall polemischer Essayistik weichen?
Die Stadt als Kriegsschauplatz, als politische Schaltzentrale wird angesichts der zunehmenden Migrationsproblematik in diesem Jahrhundert zum Topos, der die Menschen in ihrem Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen wird.
Richard C. Schneider


In Zusammenarbeit mit der Stiftung Literaturhaus

 

 

Veranstalter Kunst/Neue Medien/Architektur Konzert Ausstellungen Filmprogramm Kinderprogramm Veranstaltungsreihe "Ortszeit" Lesungen Podiumsgespräche/Vorträge Kalendarium Autoren/Teilnehmer Einführung home