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Bereits
mit ihrem ersten Roman Nehanda liess sie aufhorchen, weil
sie für die Geschichte der legendären Heldin Nehanda des Ersten
Befreiungskampfes Ende des 19. Jahrhunderts einen neuen Tonfall, eine
neue Erzählweise fand (Harare 1993, dt. Übersetzung in Vorbereitung
bei Edition Isele). In all ihren Romanen steht die erzählte Handlung
im Hintergrund, ist das Wesentliche ganz in die Sprache und die Nachempfindung
der psychischen Befindlichkeit ihrer Personen verlegt. Die zerstörerische
Realität des Krieges - Zimbabwe wurde erst nach langem, traumatischen
Befreiungskrieg unabhängig - und die Widersprüche der afrikanischen
Großstadt werden dabei nicht ausgespart, sondern auf besonders intime,
ja poetische Weise thematisiert. Schon in ihrer ersten literarischen Veröffentlichung
Seelen im Exil, geschrieben in Kanada (dt. 1997 bei Lamuv,
aus dem Englischen von Hilde Schruff), versucht Yvonne Vera Antworten
zu finden auf die vielen Fragen, die sie an die unmittelbare Geschichte
ihres Landes hatte. 1980, als Zimbabwe unabhängig wurde, war das
junge Mädchen gerade mal 16 Jahre alt und erstaunt, dass unter den
Befreiungskämpfern, die vom Krieg im ländlichen Busch in die
Städte zurückkehrten, auch viele Frauen waren.
Immer wieder ist es ihren Texten die Stärke von Frauen, die sich
in durchaus überraschenden Wendungen zeigt. So erzählt Eine
Frau ohne Namen (Unionsverlag 1999, aus dem Englischen von Hilde
Schruff) vom Schicksal einer verunsicherten, verletzten, entfremdeten
Frau. Im Rhodesien des Krieges der 70er Jahre geht sie in die Hauptstadt,
arrangiert sich irgendwie, aber weiß oft nicht weiter, scheitert
letztlich. Zum Schluß trägt sie ihr Kind, das sie getötet
hat, um endlich frei zu sein, zurück an den Ort, von dem sie sich
Heimat erhofft.
Auch Under the Tongue (1996) greift ein wichtiges gesellschaftliches
Thema auf, das gemeinhin tabuisiert wird: Im Verborgenen der Vorstädte,
wo sich die traditionelle (und patriarchalische) Ordnung zersetzt, lauert
Gewalt bis hin zum Inzest, geraten scheinbar intakte familiäre Beziehungen
zum Geflecht von Abhängigkeit und Verdrängung.
Yvonne Veras bislang letzter Roman Butterfly Burning geht
vordergründig wieder zurück in die Geschichte ihrer Heimatstadt
Bulawayo, wo sie heute die Nationalgalerie leitet. Kurz nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs walten hier allenthalben Hoffnungen, wird Aufbruchstimmung
deutlich. Wiederum ist es eine Frau, die den Widrigkeiten sozialer Vorurteile
nicht entrinnen kann. Doch nicht Verzweiflung oder Gewalt kennzeichnen
diesen Roman, der ganz heiter und fast fröhlich daherkommt, mit viel
Musik, die im Leben der Menschen eine zentrale Rolle einnimmt. Eine Liebesgeschichte,
ein Hymnus an eine Stadt, die seinerzeit Boomtown war, wird da erzählt,
als die jungen Leute verrückt waren nach Sonnenbrillen und Jazz,
als Reißverschlüsse die Mode bestimmten und Straßenlaternen
plötzlich die Nacht der townships erhellten, aus deren Quirligkeit
sich die Vielfalt der heutigen Millionenstadt erahnen lässt.
Yvonne Vera, geboren 1964 in Bulawayo, studierte in Kanada und promovierte
mit
einer Dissertation über das Gefängnis des kolonialen Raums.
Sie ist heute in Bulawayo Direktorin der National-Galerie. Für ihre
Romane erhielt sie wiederholt Preise, so mehrfach den Afrika-Preis des
Commonwealth.
Veranstaltungen
mit Yvonne Vera:
Teilnahme am Podium Fluchtpunkt
Stadt am 19.3. im Literaturhaus; Stadtführung
am 20.3; Lesung und Gespräch am 21.3. in Africa & House
(Moderation: Kirsten Martins).
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