Autorenportrait
Der Welt Utopien geben
Zu Hamid Skif

Von Sylvia Schütz

Der 1951 in Oran geborene Schriftsteller und Journalist fiel schon als Zwölfjähriger mit den ersten Veröffentlichungen seiner Gedichte auf und war mit achtzehn ein bekannter Dichter seines Landes. Da sich seine Texte kritisch mit der algerischen Gesellschaft auseinandersetzten - eines seiner Hauptthemen war die Rolle der Frau in der algerischen Gesellschaft -, geriet er früh in Konflikt mit dem Regime und mußte sich immer wieder Zensur gefallen lassen, die es in Algerien seit der Unabhängigkeit 1963 gibt. „Damals, als ich jung und mutig war, hatte ich keine Probleme, den Kampf gegen das Regime aufzunehmen“, stellt er in einem Interview mit der taz fest. Und das ist eher noch eine Untertreibung. Ein Journalist mußte schon Todesmut aufbringen, wenn er in den 70er Jahren Artikel über Folter im eigenen Land verfasste. Um Meinungsfreiheit zu erstreiten, gründete er mit anderen Autoren und Journalisten 1992 den Algerischen Schriftstellerverband und leitete die Wirtschaftswochenzeitung „Perspectives“, was zur Verfolgung durch das Regime führte. Er wurde mit dem Tod bedroht, entging mehreren Anschlägen und floh, als sein gleichnamiger Cousin an seiner Stelle getötet wurde, mit seiner Frau und vier Töchtern in den Untergrund. 1998 wurde er von der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte aufgenommen, seit Juli 1999 ist er mit seiner Familie „Writer in Exile“ des deutschen P.E.N. in Hamburg und zur Zeit Gast in der Villa Waldberta.
Auch im Exil gilt Hamid Skifs schriftstellerisches Engagement in erster Linie seiner Heimat Algerien; damit die toten Freunde nicht vergessen werden, der Wille zur Freiheit nicht versiegt. Mit seinen Büchern möchte er den Menschen seines Landes eine Stimme geben, unzensiert und unbeeinflußt durch Systeme oder Personen. Hamid Skif glaubt nicht, daß Literatur in der Lage ist, Tyrannei abzuschaffen - ihre Rolle sieht er vielmehr darin, der Welt Utopien zu geben und deren Platz hartnäckig zu verteidigen.
Hamid Skifs in französischer Sprache in Frankreich erschienene Bücher „Poèmes de l’adieu“ und „Citrouille fêlée“ werden zur Zeit ins Deutsche übersetzt.

Veranstaltung mit Hamid Skif:
Teilnahme am Podium „Eine Existenz im Dazwischen“ am 18.3. im Gasteig/Black Box

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