Autorenportrait
Rundherum in unserer Stadt
Zu Ali Mitgutsch
Von Katrin Dirschwigl
 

Wer kennt es nicht, das quirlige Leben in den Büchern des Malers, Zeichners und Illustrators Ali Mitgutsch, der mit seinen episodenreichen und vielfigurigen Bildgeschichten schon die Kleinsten an die Hand nimmt zum Spaziergang durch das bunte Treiben zwischen zwei Buchdeckeln: „Bei uns im Dorf“ (1970) oder „Hier in den Bergen“ (1979).
„Rundherum in meiner Stadt“ (1968), das erste der sogenannten "Wimmelbilderbücher", wurde mit dem "Deutschen Jugendbuchpreis" ausgezeichnet und hat seinen Erfinder in aller Welt bekannt gemacht. Ali Mitgutsch nennt seine Bilderzählungen allerdings lieber "Verdichtungsbücher", denn am Ende fügen sich die scheinbar losen Episoden zu einem ganzen Bild, das den Betrachter in das Geschehen hineinzieht, Erinnerungen wachruft. Schon als Kind war Ali Mitgutsch fasziniert von den Schaukästen mit beweglichen Figuren, die an religiösen Wallfahrtsstätten aufgestellt waren und ihn früh zu eigenen Bilderzählungen anregten.
Ali - eigentlich Alfons - Mitgutsch wurde 1935 in München geboren. Lebhaft erinnert er sich an seine Kindheit in einem Schwabinger "Großstadthof mit einem Gewirr von Rück- und Seitengebäuden, Kellerwerkstätten von Bildhauern, Malern und der Backstube einer Bäckerei, und über all dem verschiedene Dachgärten zum Wäschetrocknen. Es war ein herrliches Leben...". Meistens hockte er in irgendeinem Winkel unter dem Dach und erfand dort seine zwei Freunde Buxi und Fritz, mit denen er abenteuerliche Geschichten erlebte. Und weil er nach seinen Entdeckungstouren durch die Schwabinger Hinterhöfe meistens so aussah, wie sich seine Familie Ali Baba vorgestellt hat - "barfuß, braungebrannt und verdreckt" - wurde er bald nur noch Ali gerufen.
Später, nach einer Lithographenlehre und seinem Studienabschluß an der graphischen Akademie, brach Ali Mitgutsch auf in alle Himmelsrichtungen zu wirklichen Abenteuern: siebzehn Jahre lang war er jedes Jahr mehrere Monate mit einem Freund unterwegs, zwei Weltenbummler ohne Geld, die ihren Reiseetat "mit dem Verkauf von wertlosen Skizzen, Anfertigen von Wandbildern und dem Vergolden von Grabinschriften" aufstockten. Auf Reisen reiften Ideen für die Bilder und Geschichten der ersten Kinderbücher: „Reisen sind für mich immer, als wäre ich ein Acker, der frisch umgepflügt wird. Abgenütztes verschwindet, tiefere Schichten kommen an die Oberfläche.“
Inzwischen hat Ali Mitgutsch drei erwachsene Kinder und lebt abwechselnd in "einer großen, vollkommen verwinkelten Altbauwohnung in Schwabing" oder in seinem alten Bauernhaus in Niederbayern. Am 26. März haben alle Fans von Ali Mitgutsch Gelegenheit, noch mehr über seine Kindheit in Schwabing zu hören und sich in dieser Kulisse gemeinsam mit dem Geschichtenerfinder - so Ali Mitgutschs liebste Berufsbezeichnung - auf imaginäre Streifzüge zu begeben.

Veranstaltung mit Ali Mitgutsch für Kinder und Erwachsene am 26.3., 15.00 Uhr, in der Seidlvilla

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