Autorenportrait
Changing Hongkong
Zu Leung Ping-kwan
Von Wolfgang Kubin
 

Der Übersetzer, Schriftsteller und Professor Leung Ping-kwan (geb. 1948) gehört zu den letzten verbliebenen Intellektuellen in Hongkong. Statt wie seine Zunftgenossen bereits lange vor der Rückkehr der Kronkolonie an das Festland (1997) ins Ausland zu gehen, blieb er bewußt vor Ort.
Auch wenn Hongkong nicht seine Heimat ist, und er mit den Eltern Anfang der 50er Jahre vom Festland zugezogen ist, so ist doch Hongkong seine geistige Heimat und sein künstlerisches Zentrum geworden. Hongkong, das ist für den Erzähler, Essayisten und Lyriker, nicht nur "eine Stadt am Ende der Zeit", sondern vor allem ein Ort des Übergangs. In Hongkong ist alles im Fluß begriffen: die Menschen, die Bauten, die Landschaften und die Sprachen.
Leung Ping-kwan, der heute am Lingnan College kreatives Schreiben unterrichtet, hat seine Karriere als Übersetzer nord- und südamerikanischer Literatur begonnen. Er studierte zunächst in den USA bei Wai-lim Yip, der der Beat-Generation um Gary Snyder nahesteht. Seine frühen lyrischen imagistischen Gedichte wandelten sich unter dessen Einfluß zu jener Art von Dichtung, die der Postmoderne nahesteht, einer Dichtung, die das Hohe und Niedere, das Prosaische und Lyrische, das Komplizierte und Schlichte zu verbinden sucht und dabei der Fragmentierung des Daseins Rechnung trägt. Da jedoch für Leung Ping-kwan Schreiben ein Dialog mit der Welt ist, steht er trotz aller postmodernen Anverwandlungen doch noch in der chinesischen Tradition. Er versucht, ob in der Erzählung, dem Essay oder Gedicht, von den einfachen Dingen ausgehend, die Dinge in ihrem Übergang von einst zu jetzt zu "entdecken". Dabei spielt das Essen eine zentrale Rolle, weil in Orten wie Hongkong oder Macau die Zwitterkultur am offensichtlichsten zutage tritt, d.h. eine Kultur, die unter dem Einfluß des Abendlandes und Chinas transitorische Eigenschaften entwickelt. Was für die Küche vor Ort gilt, gilt auch für die kantonesische Sprache, derer sich Leung Ping-kwan hauptsächlich bedient: Sie ist vielfachen Einflüssen ausgesetzt, dem Hochchinesischen so sehr wie dem Englischen. Diese Zwitterkultur, ein Kennzeichen der Postmoderne, entdeckt Leung Ping-kwan, inzwischen auch an anderen Orten, u.a. in Berlin, wo er als
Stipendiat des DAAD (Künstlerprogramm) das Jahr 1997 verbringen konnte. Die literarischen Ergebnisse hat er unlängst in seinem Werk „Dinge aus Ost und West“ vorgelegt. Leung Ping-kwan ist ein Chamäleon unter den Hongkonger Künstlern, er arbeitet nicht nur unter unterschiedlichen Namen (u.a. Ye Si als Erzähler), sondern auch viel mit Fotografen und Videokünstlern zusammen.
Viele seiner aufwendig gestalteten Arbeiten in Buchform gehen auf Gemeinschaftsausstellungen in Orten wie Hongkong, Macau und Berlin zurück.
Die Medien und die Stadt stellen im Werk des Leung Ping-kwan das einigende Band nicht nur in künstlerischer Hinsicht dar: das Transitorische und die Medien gleichen die Städte so sehr einander an, daß die Unterschiede sich zwischen Ost und West aufzuheben beginnen. Diesen Wandel der Welt beobachtet Leung Ping-kwan mit einem leichten Humor. Als Chinese weiß er, daß alles im Wandel begriffen ist und nur der aufgeklärte Geist an diesem Spiel der Wandlung teilhaben kann.

Veranstaltungen mit Leung Ping-kwan:
Teilnahme an dem Podiumsgespräch „Stadtwelten“ am 16.3. in der Werkbar/Kunstpark Ost; Stadtführung am 17.3., Lesung und Gespräch am 20.3. im Café Ruffini (Moderation: Wolfgang Kubin).

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