Autorenportrait
Gewalt kennt keine Sieger
Zu Friedrich Ani
Von Volker Isfort
Foto: Wilhelm
Heyne Verlag

Ohne ihn wäre der literarische Stadtplan Münchens ein großes Stück ärmer. Friedrich Ani, vor 40 Jahren in Kochel geboren, ist nicht nur einer der stilistisch vielseitigsten Schreiber seiner Generation, in seinen Romanen und Drehbüchern (u. a. für „Tatort“, „Ein Fall für zwei“) verankert er zudem ein Münchenbild, das wesentlich widerborstiger ist, als im Rest der Republik meist zur Kenntnis genommen wird. Die Stadtkrimis „Abknallen“ und „Killing Giesing“ (beide Emons Verlag) handeln von Serienmördern und Korruption in der Staatskanzlei, in „Brennender Schnee“ und vor allem „Die Erfindung des Abschieds“ (beide Heyne Verlag) präsentiert sich Ani als psychologisch versierter Schreiber, der einfühlsam in den dunklen Seiten der Seele wildert. Seine Protagonisten sind meist Gescheiterte, denen die Stadt ihre unstillbare Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung verweigert. Mit gewaltsam amputierten Träumen lebt es sich auch in München schlecht.
Im Dezernat 11 der Münchner Kripo siedelt Ani „Die Erfindung des Abschieds“ an, der Krimi soll nach skandinavischem Vorbild den Auftakt zu einer ganzen Serie bilden. Denn im Vordergrund steht nicht die Suche nach dem neunjährigen Ausreißer, sondern eine ganze Gruppe von Polizisten, an denen ihr Job nicht spurlos vorbeigegangen ist: „Wie erwachsen mußte ein Mann werden, um nicht dem erstbesten Kind, das von zu Hause weglief, hinterherrennen zu wollen und zu rufen: Nimm mich mit, nimm mich mit!“ So fragil ist bei Ani die Gedankenwelt eines gestandenen Polizisten. Gescheiterte Beziehungen und eine gewisse Müdigkeit, ewig den Dreck der anderen wegkehren zu müssen, lasten schwer auf den Mitarbeitern. Dass Ani als ehemaliger Polizeireporter durchaus Nähe zum Milieu hat, macht diesen Krimi besonders glaubwürdig. Klischeehelden sucht man bei ihm vergeblich, Gewalt kennt keine Sieger.
Der melancholische Grundton und die Aura von Einsamkeit, die sich durch Anis Krimis zieht, klingen auch in seiner weiteren literarischen Produktion an. „Das geliebte süße Leben“ (Luchterhand) betitelte Ani den inneren Monolog einer 85jährigen Frau, die ihr Leben mit allen Brüchen und Verletzungen noch einmal Revue passieren läßt, und mit „Tür zum Meer“ (Emons) veröffentlichte Ani im letzten Jahr einen neuen Lyrikband. „Deine Stimme ist das Gedächtnis des Schmerzes“ schreibt er darin – und es ist gut möglich, dass der Adressat dieser Zeilen Friedrich Ani selbst ist.

Lesung mit Friedrich Ani und Pieke Biermann am 18. 3. im Café „gap“.

 

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