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Ohne ihn
wäre der literarische Stadtplan Münchens ein großes Stück
ärmer. Friedrich Ani, vor 40 Jahren in Kochel geboren, ist nicht
nur einer der stilistisch vielseitigsten Schreiber seiner Generation,
in seinen Romanen und Drehbüchern (u. a. für Tatort,
Ein Fall für zwei) verankert er zudem ein Münchenbild,
das wesentlich widerborstiger ist, als im Rest der Republik meist zur
Kenntnis genommen wird. Die Stadtkrimis Abknallen und Killing
Giesing (beide Emons Verlag) handeln von Serienmördern und
Korruption in der Staatskanzlei, in Brennender Schnee und
vor allem Die Erfindung des Abschieds (beide Heyne Verlag)
präsentiert sich Ani als psychologisch versierter Schreiber, der
einfühlsam in den dunklen Seiten der Seele wildert. Seine Protagonisten
sind meist Gescheiterte, denen die Stadt ihre unstillbare Sehnsucht nach
Liebe und Anerkennung verweigert. Mit gewaltsam amputierten Träumen
lebt es sich auch in München schlecht.
Im Dezernat 11 der Münchner Kripo siedelt Ani Die Erfindung
des Abschieds an, der Krimi soll nach skandinavischem Vorbild den
Auftakt zu einer ganzen Serie bilden. Denn im Vordergrund steht nicht
die Suche nach dem neunjährigen Ausreißer, sondern eine ganze
Gruppe von Polizisten, an denen ihr Job nicht spurlos vorbeigegangen ist:
Wie erwachsen mußte ein Mann werden, um nicht dem erstbesten
Kind, das von zu Hause weglief, hinterherrennen zu wollen und zu rufen:
Nimm mich mit, nimm mich mit! So fragil ist bei Ani die Gedankenwelt
eines gestandenen Polizisten. Gescheiterte Beziehungen und eine gewisse
Müdigkeit, ewig den Dreck der anderen wegkehren zu müssen, lasten
schwer auf den Mitarbeitern. Dass Ani als ehemaliger Polizeireporter durchaus
Nähe zum Milieu hat, macht diesen Krimi besonders glaubwürdig.
Klischeehelden sucht man bei ihm vergeblich, Gewalt kennt keine Sieger.
Der melancholische Grundton und die Aura von Einsamkeit, die sich durch
Anis Krimis zieht, klingen auch in seiner weiteren literarischen Produktion
an. Das geliebte süße Leben (Luchterhand) betitelte
Ani den inneren Monolog einer 85jährigen Frau, die ihr Leben mit
allen Brüchen und Verletzungen noch einmal Revue passieren läßt,
und mit Tür zum Meer (Emons) veröffentlichte Ani
im letzten Jahr einen neuen Lyrikband. Deine Stimme ist das Gedächtnis
des Schmerzes schreibt er darin und es ist gut möglich,
dass der Adressat dieser Zeilen Friedrich Ani selbst ist.
Lesung
mit Friedrich Ani und Pieke Biermann am 18. 3. im Café gap.
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